Software, damit der Rechner richtig tickt
TU-Wissenschaftler erhalten Technologietransfer-Preis der Industrie- und Handelskammer Braunschweig
BRAUNSCHWEIG. Moderne Autos haben mehr als 50 elektronische Steuergeräte an Bord kleine Computer, zuständig für verschiedenste Aufgaben. Aber wie arbeiten sie zusammen? Entwickler können dies mit Software von Symtavision frühzeitig feststellen.
Möglich geworden ist dies durch einen beispielhaften Brückenschlag zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, den die Industrie- und Handelskammer Braunschweig gestern mit dem diesjährigen Technologie-Transferpreis auszeichnete.
Preisträger sind Professor Rolf Ernst sowie die promovierten Elektrotechnik-Ingenieure Marek Jersak und Kai Richter, die die Software am Institut für Datentechnik und Kommunikationsnetze an der TU Braunschweig entwickelten.
Jersak und Richter gründeten, unterstützt von ihrem Professor, das Unternehmen Symtavision, das mittlerweile 15 Mitarbeiter beschäftigt und 500 000 Euro Jahresumsatz erzielt. Bereits jetzt weist die Auftragslage in Richtung Millionenumsatz im nächsten Jahr.
Zu den Kunden dieser ersten Ausgründung, an der sich die Universität selbst beteiligte, zählen VW, Daimler, BMW, Toyota, Continental, Bosch und Unternehmen der Luft- und Raumfahrt-Industrie wie EADS. Deren Entwickler wollen, dass die Steuergeräte bei möglichst geringem Rechenaufwand zuverlässige Abläufe in Echtzeit erbringen. Zugleich soll die Entwicklungszeit kurz sein und zu möglichst geringen Kosten erfolgen.
"Unser Werkzeug ermöglicht den Kunden die Echtzeit-Analyse, zugleich helfen wir bei der Einführung des Produktes in die Praxis", sagt Richter. Das Einsparpotenzial für die Anwender beziffert er auf jeweils bis zu zehn Millionen Euro bei der Entwicklung und beim Komponenten-Einkauf und auf bis zu 100 Millionen Euro nach Auslieferung, etwa durch Vermeidung von Rückruf-Aktionen.
Mit ihrer Software stehen die Braunschweiger derzeit weltweit außer Konkurrenz. Jersak betont, dass beispielsweise Toyota-Ingenieure auf der Suche nach Analyse-Werkzeugen nicht nach Berkeley fahren, sondern nach Braunschweig. Jersak: Wir haben mit unserer Software den richtigen Zeitpunkt getroffen. Die Industrie habe das Thema "Echtzeit" lange stiefmütterlich behandelt. Wichtig sei aber, dass jeder Funktion ausreichend Rechenzeit zur Verfügung stehe. Professor Ernst schätzt den Wettbewerbsvorsprung von Symtavision auf gut drei Jahre. Er betont: "Unsere TU braucht die Gründung von Hochtechnologie-Unternehmen, um sich international behaupten zu können. In den USA gehört so etwas beinahe zum Alltag."
Die IHK Braunschweig hat den mit 10 000 Euro dotierten Technologie-Transferpreis in diesem Jahr zum 24. Mal verliehen. Die Preissumme für die insgesamt 60 Preisträger beträgt mittlerweile mehr als 200 000 Euro.













