Der Romantiker unter den Popstars
Star-Geiger David Garrett überzeugte mit Bruchs Violinkonzert beim Braunschweig-Classix-Festival
Blonder Zopf und Engelsgesicht, zwei dicke glitzernde Ringe am Finger, Kettchen am Handgelenk doch wenn er den Bogen anlegt, schließt er die Augen und verbreitet hemmungslos romantischen Schmelz. David Garrett ist zwar der Pop-Star unter den Klassik-Geigern, aber Klassik light gibt es deshalb bei ihm nicht. Auch bei seinem Auftritt mit Max Bruchs Violinkonzert beim Classix-Festival gestern in der ausverkauften Braunschweiger Stadthalle setzt er ganz auf Gefühl und Leidenschaft. Und weil er nebenbei so ein smarter junger Mann ist, weil er immer wieder strahlt und lächelt in den virtuosen Läufen, als machten sie ihm einfach Freude, ist die Gefahr ehrfürchtiger Erstarrung, aber auch verzehrenden Schwulstes von vornherein gebannt.
Denn Garrett liefert einen sehr direkten, nicht vibratös die Gefühle kitzelnden Ton. Und doch wird er gern innig, gibt langgestrichenen, sehnenden Passagen Leidenschaft durch Nachdruck und dann wieder ganz zarte, leise Reflexion. Aber es bleibt stets Leidenschaft, nie Schmerz. In Anbetracht der hübschen Bratscherin, der er sich so oft zuwendet, schwingt sogar etwas Flirtfieber darin. Und die Strähne, die ihm ins Gesicht baumelt, die spürt er scheinbar gar nicht.
Wie er sich im Adagio aus füllig tiefem Ton aufschwingt in die Höhen der Melodie, aufstampfend dem Prager Kammerorchester Einsatz gibt zu ihren volkstümlich dramatischen Einwürfen, zeugt von Garretts vorurteilsloser Emphase für Bruchs streckenweise auch etwas sentimentales Werk. Und höchst energisch spielt er sich im Allegro-Abgesang aus der genossenen Romantik ins tätige Leben zurück.
Natürlich gabs heftigen Beifall und Bravos. Und Garrett gewährte auch gleich eine Zugabe, Bachs Sarabande.
Angesichts eines solchen Starsolisten hat es ein Orchester nicht immer leicht, zu punkten. Das Prager Kammerorchester spielt als nur mit Solisten besetzter Klangkörper ohne Dirigenten, auch wenn Konzertmeister Antonin Hardil mit dem Bogen Einsätze markiert. Zum Auftakt boten sie drei Legenden ihres Landsmanns Antonin Dvorák. Das schmeckte nach Wald und Seen und Naturgeistern, nach Volkstanz und Morgennebel. Prächtig geriet dann Joseph Haydns letzte Sinfonie, Nr. 104. Das Solistenprinzip sorgte für präzise Durchhörbarkeit auch im dramatisch-festlichen Eingangssatz. Gefolgt von der zarten Aura des Andante und seiner dynamischen Aufwallung. Heiter trotz Paukengewitters und Stampftakt gelang das Menuett, und das Finale wurde zum quirligen, in Kreiseln angetriebenen Lebenstaumel. Bravo.
Bei Redaktionsschluss legte sich nochmal Garrett für Pablo de Sarasates Tarantella ins Zeug.













