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13. Februar 2012
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Romeo stirbt den Drogentod

Shakespeares Liebes-Tragödie bei den Gandersheimer Domfestspielen in grellbunten Kostümen

Von Andreas Berger

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Man ist jetzt schon so gewöhnt an die ganz auf das Drama zweier junger Liebender konzentrierten Inszenierungen, dass man sich über die langen Diener-Späße, stets gut platziert unter der Gürtellinie, verblüfft. Festspiel-Intendant Johannes Klaus inszenierte jetzt in Gandersheim eine recht ausführliche Fassung des Shakespeare-Renners.

Birgitta Weiß hat ihm die Bühne vor dem Portal der Stiftskirche vor allem mit grellen Kostümen aufgepeppt. Da fläzen Romeos Freunde Mercution und Benvoglio in Jeans und Sonnenbrille auf Fernsehsessel und Liegestuhl in eben jenem Filzmuster, das auch im Rock und an der Schlafzimmerwand der begehrten Julia auftaucht. Nur dort in Rot, denn sie ist eine Capulet, Romeo und die Seinen dagegen Montagues, und die tragen Grün.

Klaus ist ein genauer Regisseur des Wortes und der choreographischen Bewegung. Das bekommt den Rempeleien der Diener ebenso gut wie den ernsten Schwüren von Romeo und Julia, den Liebenden aus feindlichen Häusern. Orlando Klaus spielt den jugendlichen Liebhaber allerdings eher verträumt, wenig ungestüm, ja selbst nach der Liebesnacht eher erschöpft als brodelnd vor Leidenschaft. Da ist schon viel Lebensmüdigkeit, ein Hauch von Vergeblichkeit und unvermeidlicher Tragödie drin.

Und doch, so fehlt die Fallhöhe, der Schock der tödlichen Pointe. Von erfrischender Empfindsamkeit ist dagegen Natalie Piu Mukherjee als Julia, die genau den richtigen mädchenhaften, innigen, auch mal begeisterten Ton trifft. Ihre Mutter (Christin Zacher) ist leider nur ein Mannequin in unglaublichen Kleidern, glaubhaft jovial dagegen der treffliche Reinhart Firchow als Vater. Guido Kleineidamm gibt Julias Zwangsverlobten Paris entgegen dem aufreizend weißen Kostüm mit aufrichtiger Zuneigung. Thomas Neumann ist ein Diener von trockener Komik, im Laufe des Stücks aber doch zu gleichklingend in zu vielen Rollen. Auch warum die Besetzung des Dogen wechseln muss, erschließt sich nicht.

Für den nötigen Humor sorgt Ingrid Domann als redselige Amme. Wie sie in orangeblumiger Aufmachung gegen die frechen Montagu-Jungs ficht, das hat Witz und vertrüge noch etwas mehr Tempo. Liebenswürdig gibt Roman Roth den braven Benvolio, kraftvoll Jakob Leo Stark den draufgängerischen Mercutio. Und mit der nötigen Arroganz Pascal Fligg den feindlichen Tybalt. Schickes Hemd übrigens.

Überinszeniert wirkt er in der Rolle des Apothekers, der am Ende Romeo das tödliche Gift verkauft. Drogensüchtiger und Transvestit, das ist etwas zu viel Almodóvar für die ansonsten behutsam an zeitgenössische Optik knüpfende Inszenierung.

So setzt sich denn Romeo über Julias Leiche den goldenen Schuss –  wenige Sekunden, bevor sie aus dem Koma erwacht. Dieses Duo im Sarg wäre ein starkes Schlussbild. Die nachgereichte Auflösung des dem Publikum längst Bekannten hält Shakespeare für nötig, doch sie verwässert etwas die emotionale Wirkung. Immerhin: die feindlichen Väter reichen sich die Hand.

Viel Applaus in der nicht ausverkauften Premiere. Shakespeare in lauer Sommernacht lohnt immer, also auf nach Gandersheim.

Wieder am 5., 11., 16., 24., 26. Juli, 1., 5., 7. und 9. August.

Karten: (05382) 73777.

Samstag, 04.07.2009
Quelle: http://www.newsclick.de/index.jsp/artid/10585406/menuid/2184

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