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05. Februar 2012
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Trommler, Kenner, Rezensent

Zum Tod des jazzversessenen Braunschweigers Hans-Jürgen "Charles" Benecke

Von Ernst-Johann Zauner

Hans-Jürgen "Charles" Benecke ist am Samstag im Alter von 61 Jahren gestorben. Der Musiker, Jazz-Rezensent und Autor war jahrzehntelang freier Mitarbeiter unserer Zeitung.

Meine erste Begegnung mit Charles, wie er nur genannt wurde, geht in die 60er Jahre zurück. Damals war in unserer studentischen Vereinigung "Center" in Göttingen, die sich dem Jazz, der bildenden Kunst und der Literatur verschrieben hatte, eine Gruppe aus Braunschweig gern gesehen: das Otto Wolters Trio. Neben dem Pianisten Wolters und dem Bassisten Horst Wagner saß Benecke am Schlagzeug – und anschließend lange diskutierend an der Bar. Er war ein begabter Drummer, der sich das Schlagzeugspiel selbst beigebracht hatte. Sein bewundernswertes Gefühl für den Jazz machte ihn auch zu einem Rezensenten, der mit großer Sachkenntnis und mit viel Einfühlungsvermögen Konzerte besprach. Oder auch veranstaltete: Benecke gründete die Reihe "Jazz im Lindenhof", wo Größen wie Art Blakey oder Pat Metheny auftraten. Er selbst, mit den Großen der deutschen Szene befreundet, feierte mit seinen TrioKollegen Erfolge bei zwei Tourneen in den Nahen Osten, die 1972 und 1976 vom Goethe-Institut veranstaltet worden waren. Noch inspiriert von der ersten Reise, nahm das Trio 1972 die Langspielplatte "Boab" auf.

Im Hauptberuf war der Absolvent des Braunschweiger Wilhelm-Gymnasiums leitender Angestellter einer Messe baufirma, blieb aber der JazzSzene immer treu. Eine Szene, in der er einen Ruf hatte. So schrieb er für die rororo-Sachbuchreihe einen Beitrag über "Tendenz einer modernen Musik – Jazzrock" und befand sich dabei in Gesellschaft so bekannter Co-Autoren wie Albert Mangelsdorff, Wolfgang Dauner, Michael Kühn und Udo Lindenberg. Seine lesenswerten Beiträge zur jüngeren Geschichte Braunschweigs sind in den Büchern "Zwischen Coletti und Capriccio – Die Jugendszene der 60er Jahre" oder "100 Jahre Zu den vier Linden – das Buch zur Kneipe" zu finden.

Charles Benecke, der mit seinem komödiantischen Talent Abende lang seinen Freundeskreis unterhalten konnte, war aber auch ein liebevoller Vater und seit Mai stolzer Großvater eines Enkelsohns.

Montag, 16.12.2002
Quelle: http://www.newsclick.de/index.jsp/artid/1070329/menuid/2184

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