Bibliotheks-Direktor schlägt Alarm
Bundesmittel für Herzog-August-Bibliothek gefordert Land reagiert verwundert
Der Direktor der Wolfenbütteler Herzog-August-Bibliothek sieht die Sicherheit der Bestände und die "Konkurrenzfähigkeit" seines Hauses im Wettbewerb der Forschungsstätten bedroht.
In einem Brief an Ministerpräsident Christian Wulff fordert Professor Helwig Schmidt-Glintzer, Stellenstreichungen zurückzunehmen, den im April verfügten Einstellungsstopp aufzuweichen und die Kürzung seines Etats für Neuerwerbungen um rund ein Drittel seit 2004 zurückzunehmen.
Schmidt-Glintzer regt zudem an, den Bund mit in die Pflicht zu nehmen, um die Zukunft seines Hauses zu sichern "wenn sich das Land nicht in der Lage sieht, die Bibliothek angemessen zu alimentieren".
Einrichtungen wie die Klassik Stiftung Weimar und das Deutsche Literaturarchiv in Marbach würden selbstverständlich mit Bundesmitteln gefördert. Die Bedeutung seiner Einrichtung sei vergleichbar, betont Schmidt-Glintzer gegenüber unserer Zeitung.
Trotz ihrer Einstufung als Nationalbibliothek für das 17. Jahrhundert werde die Wolfenbütteler Forschungsstätte jedoch nur vom Land Niedersachsen getragen, von einigen Drittmitteln abgesehen.
Im Kulturministerium des Landes reagiert man verwundert auf den Vorstoß. "Diese neue Anregung hat der Direktor bisher weder dem Bibliotheks-Kuratorium noch dem Ministerium in Form eines belastbar begründeten Antrags vorgelegt. Dieses wäre der erste Schritt", sagt Sprecher Christian Stichternath.
Auch Schmidt-Glintzers Forderung nach mehr Geld für Neuerwerbungen weist das Ministerium scharf zurück. Zwar sei das Budget 2003 "als Teil der unerlässlichen Haushaltskonsolidierung des Landes" gekürzt worden. Jedoch seien jährlich Haushalts-Restmittel zusätzlich nach Wolfenbüttel geflossen. Überdies seien für herausragende Erwerbungen Extra-Gelder bereitgestellt worden; 2007 allein 800 000 Euro für den Ankauf des Bernward-Psalters. Für besondere Projekte seien in den vergangenen Jahren weitere 2,3 Millionen Euro bewilligt worden. "Angesichts dieser Aufwendungen ist es abwegig, die Zukunft der Bibliothek als bedroht darzustellen", so Stichternath.











