Der Sog kommt langsam, aber nachhaltig
Der Braunschweiger Profi-Gitarrist Dietmar Osterburg legt mit "Inside Out" ein filigranes Jazz-Album vor
Ein gutes Pop-Album überwältigt den Hörer oft handstreichartig. Mit Melodien, deren Eingängigkeit süchtig macht. Ein Gefühl, ein Gedanke in wenigen Tönen auf den Punkt gebracht. Man muss das immer wieder hören bis man es über hat.
Wie anders nimmt das Jazz-Album "Inside Out" des Braunschweiger Gitarristen Dietmar Osterburg für sich ein. Erstmal gar nicht. Man lauscht den unaufdringlich-elegant perlenden Läufen und beginnt, den Schreibtisch aufzuräumen. Dann legt man die Hemden zusammen. Irgendwann ertappt man sich dabei, dass man nur noch zuhört.
Die Sogwirkung des Dietmar Osterburg Trios ist gerade nicht festzumachen an der Prägnanz eines Riffs oder einer Melodie, sondern an deren Auflösung und Transzendierung. Zusammengehalten werden die zwölf Stücke vom organischen Zusammenspiel des harmonischen Entdeckungsreisenden Osterburg mit seinem Braunschweiger Schlagzeuger Eddie Filipp und dem Lübecker Bassisten André Neygenfind.
In zwei Tagen hat das Trio sein zweites Album aufgenommen. Die Anfänge der Stücke seien auskomponiert, sagt Osterburg, der einen glasklaren, aber warmen halbakustischen Klang bevorzugt. "Dann folgt freie Improvisation."
Freiheit und Spontanität waren es auch, die den 47-Jährigen vor 30 Jahren für den Jazz einnahmen. Aus einer Braunschweiger Musikerfamilie stammend Vater Wolfgang war Musiklehrer und leitete den Petri-Chor steuerte Osterburg auf ein Geigenstudium zu, als ihn lokale Jazzbands zu faszinieren begannen. "Lebendigkeit und Kommunikation, das ist die Essenz, die der Jazz allen anderen Musikstilen voraushat."
In den 80er Jahren nimmt Osterburg neben dem Germanistik-Studium in Hamburg Gitarrenunterricht, der bald im Vordergrund steht. Er beginnt in Hilversum und Hannover Musik zu studieren und entdeckt dabei seine Liebe zum Kontrabass.
Für einige Zeit wird der sein Hauptinstrument, Osterburg spielt für Uli Beckerhoff und wird Bassist des Sinti-Geigers Martin Weiss, mit dem er durch Europa tourt.
Seit Anfang der 2000er Jahre ist Osterburg wieder vorwiegend auf sechs Saiten unterwegs. Er begleitet Produktionen des Staatstheaters, unterrichtet an den Städtischen Musikschulen in Wolfsburg und Braunschweig und bringt mit seinem Trio 2007 die erste CD "For A While" heraus. Bereits damals erntet er begeisterte Besprechungen in der Jazz-Szene. Das neue Album ist auch für Nicht-Jazzer einen Hörversuch wert.
Am 25. Dezember, 19.30 Uhr, ist Osterburg mit Kussi Weiss beim Django-Reinhard-Festival in Hildesheim zu hören. Am 17. April stellt sich sein Trio in der Braunschweiger Bassgeige vor.













