Schlagzeug lässt das Wasser rauschen
Renaissance-Musik der Capella de la Torre im Dialog mit Jazzpiano und Percussion in Braunschweigs Dornse
Unter der Überschrift "Renaissance meets Jazz" gibt es mehr als genug CDs, auf denen klassische Musik plus Schlagzeug swingt, besser: swingen soll. Von solch lieblosen Zusammenstellungen waren die sieben Musiker am Freitagabend in der Braunschweiger Dornse zum Glück himmelweit entfernt. Viel mehr erforschten sie die Grenzen der Genres, scharfe und fließende, sowie die Gemeinsamkeiten.
So fing das Renaissance-Ensemble Capella de la Torre unter Leitung von Katharina Bäuml mit einem Stück alter Musik an, zu dem Pitti Hecht auf der Marschtrommel nur begleitend stieß, dann wie im Samba solierte, um dann wieder zurückzutreten und das Ensemble rhythmisch nur zu unterstützen. Dies gelang auch in anderen Stücken, in denen die Trennlinie schärfer gezogen wurde, denn schließlich gab es auch schon in der Renaissance bekannte Tanzlieder.
Ebenso klar war, im Jazz wie im 15. Jahrhundert, dass man bekannte Melodien verzieren oder darüber improvisieren konnte, was der Gruppe dann anhand eines Beispiels aus dem Mittelalter gelang. Stets wurde dabei der Kontakt gesucht, jeder hatte genug Freiraum, sein Können zu zeigen, an den alten, warm und etwas nasal klingenden Instrumenten, aber auch Mathias Claus am Jazzpiano mit seinen Melodien, die musikalisch und technisch beeindruckten und die ganze Bandbreite seines Instrumentes erforschten.
Das durfte er noch ausführlicher im Duo mit der Percussion bei zwei Stücken von Michel Camilo und Chick Corea. Die Virtuosität und das Tempo, mit der die beiden spielten, ließ keinen Fuß mehr still stehen, so dass schon nach dem zweiten Stück Begeisterungsrufe aus dem Publikum erklangen.
Dieses treibende Gefühl ist beispielsweise etwas, was es in der Musik der Renaissance nicht gab, vielmehr strahlt sie eine Ruhe aus, die wir heute nicht mehr kennen und die die Musiker bei den Proben wieder gesucht haben, so Bäuml, die mit Claus den Abend auch moderierte. Experimentell wurde es dann wieder, als Claus eine seiner Pop-Kompositionen spielte und dabei Texte von Erasmus von Rotterdam zitieren ließ, was den ruhigen Charakter noch unterstrich und nachdenklich stimmte.
In der französischen Komposition über Susanna im Bade konnte Pitti Hecht aus seinem ganzen Instrumenten-Repertoire Bilder von Wasser und fallenden Blättern zaubern, die die Musik unterstrichen und die Geschichte wunderbar greifbar machten. Während des Abends konnte der Percussionist immer wieder als Begleiter und Solist überzeugen, sei es auf Congas oder nur einem Rassel-Ei.
Verdient greoßer Beifall der circa hundert Hörer, eine Zugabe.













