Das Leben als Flipperautomat
Club Guy and Ronis mitreißend schrilles Tanztheater im Rhythmus klickernder Flipperhebel
Ja, das war mal wieder Tanztheater als zeitgenössische Runduminstallation: "Pinball and Grace", als niederländischer Beitrag israelischer Choreographen beim Tanzwelten-Festival in Braunschweig zu Gast, begeisterte im vollen Kleinen Haus mit einer packenden Mischung aus drängendem Schlagzeug-Beat, schrillen Figuren und exzellent aus dem Flipperautomaten geronnener Bewegungen.
Die Kostüme erinnern an die leichtbeschürzten Figuren auf den Spielflächen, eine Kreuzung aus Lady Gaga, SM-Phantasien und Spiderman. Entsprechende Szenen, die im Hintergrund des eigentlichen Tanzes ablaufen, passen gut zum Thema, da der Apparat im Wortsinn auf Manipulation beruht: Man drückt auf die Knöpfe, um die Flipperhebel in Bewegung zu setzen, und man wird manipuliert, da man im Rausch immer weiterflippert, um den Ball im Spiel zu halten.
"Dance me" heißt der Anfangssong, da werden die sechs Schlagzeuger, die sich mechanisch wie Spieluhrfiguren bewegen, von den Frauen eben auch betanzt, bevor sie nachher am Schlagzeug eine sacht, doch unerbittlich anschwellende Klangkulisse schaffen. Da flippen die Tänzer dann auch mal aus vor lauter Flippern.
Beeindruckend ist besonders die Bewegungsinnovation. Die Beine werden hochgeschleudert, zackig, wiederholt und federnd, wie sich die Flipperhebel auf dem Spielfeld bewegen, wenn man zu schnell und energisch drückt.
Es gibt Abpraller Brust an Brust, dreiteiliges Ineinandergreifen und synchrone Liegestützen mit nach hinten ausschlagenden Beinen, alles ähnlich den Zuckungen der Flipperhebel. Oder den plötzlichen Popoklatsch, der dem kurzen Flipperschlag für gezielte Ballschüsse entspricht. Oder ein Tänzer nimmt den Kopf des anderen zwischen die Hände, lässt ihn hüpfen, zwei andere rollen den Dritten zwischen den Füßen hin und her: das gewiefte Spiel mit dem Ball.
Sinnbildlich lässt sich das auf die mal antreibenden, mal ausbremsenden Kontakte in unserem beschleunigten Lebensstil beziehen. Da ist auch nie ganz klar, wohin einen die Abpraller werfen oder welcher Flipperhebel einem plötzlich den Weg auf das Geld- oder Glücksfeld versperrt. Und plötzlich geht das große Bühnenlicht an, das Spiel fliegt auf.
Aber es bleibt die Sehnsucht nach dem Ziel, Ruhe-, Sinn- und Erfüllungspunkt. Die Company zelebriert das ironisch als soften Gruppensong im Siegerlicht des Automaten. Viel Jubel für eine super Show.













