Kuschelwolf zwischen Heidelbeeren
Maria und Natalia Petschatnikov im Kunstverein Wolfenbüttel
Einst lehrte uns das russische Ehepaar Kabakov das Grauen, als es einen Abort zur Wohnung umfunktionierte. Heute überrascht die russische Nachfolgegeneration durch verspielte Interieurs, wie die Zwillingsschwestern Petschatnikov.
Heiter ists im Kunstverein Wolfenbüttel. Da rollen kohlkopfgroße Heidelbeeren durch die Räume, schwarzbunte Kühe und ein Kuschelwolf stehen dazwischen, brav nach Fotovorbildern aus Holzplatten gesägt. Ölbilder geben Einblicke auf ein modernes Schreibtisch-Chaos, wo sich neben PC, Scanner und Handy frisches Gemüse und Plastikgetier tummelt.
Zwischen Klebeband und Computer liegen Heringe, Wirsing, Feldsalat, Pilze. Hähnchen, Geldscheine, Stifte und Kassenzettel werden von Kühen aus dem Spielzeugland begleitet. Alles ist sachlich fotorealistisch in Öl gemalt.
"Exoten" haben die Schwestern ihr Konvolut betitelt. Das bezieht sich nicht auf die Alltagsgegenstände, sondern auf die ungewöhnliche Kombination, die den Bogen zwischen einer Kindheit in St. Petersburg und dem Künstlerdasein in Hamburg spannt. Wolf und Heidelbeeren erinnern an die russischen Wälder, die Kühe und das Gemüse wecken ähnliche Gedanken. Der Schreibtisch steht für Gegenwartserfahrungen.
Realität und Spielweltillusion gehen Hand in Hand, Größenverhältnisse verschieben sich Maria und Natalia Petschatnikov erinnern an die heißgeliebten Bilderbücher russischer und tschechischer Herkunft. Vielleicht beruht das Geheimnis ihres Erfolgs in der Erzählfreude, die aus den Bildern spricht.
Bis zum 18.April, Di.-Fr. 16-18, Sa.,So. 11-13 Uhr.













