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12. Februar 2012
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Verfolgungsjagden mit Gokart und Rollator

Katja Wolffs perfekte Inszenierung der "Blues Brothers" bei den Gandersheimer Domfestspielen

Von Andreas Berger

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Oh Mann, das rockt. Mit der Blues-Brothers-Show "Im Auftrag des Herrn" setzen die Gandersheimer Domfestspiele auf fetzige Unterhaltung. Wie viele Theater suchen sie dabei ihr Kartenheil in der Adaption eines Kult-Films. Doch Katja Wolff hat die "Blues Brothers" so witzig, perfekt und szenisch eigenständig interpretiert, dass man zu dem Ergebnis gratulieren muss.

Wie hätte man auch all die Verfolgungsjagden und Ortswechsel auf die Bühne stemmen sollen? Also setzen Birgitta Weiss und Cornelia Brey auf charakteristische Requisiten, um damit die Phantasie zu lenken, zugleich aber auch komische Distanz zum Genre auszudrücken.

Bestes Beispiel: das Bluesmobil. Als Jake aus dem Knast kommt, holt ihn sein Bruder Elwood mit einem Gokart ab. Die Bandkollegen fahren Tretroller, zwei Polizisten sind ihnen mit dem Altenheim-Rollator auf der Spur. Das gibt kuriose Verfolgungen, ergänzt um johlende Fans, fliegende Bierflaschen und ein Flintenweib.

Und als es mal romantisch wird zwischen dem etwas stoffeligen Elwood und einer Dame an der Tankstelle, trägt diese verzückte kleine Maus jene Art von Rollschuhen, bei denen man die Rollen gar nicht sieht, was ihr einen schwebenden Eindruck gibt. Und ihrer Bitte, die Reifen zu kontrollieren, ganz andere intime Möglichkeiten.

In solchen ruhigeren Szenen, wenn der stets siegessichere Jake auch mal zurückstecken muss, den schüchternen Bruder aber mimisch unterstützt, zeigt sich die Feinheit der Regie. Die Freundschaft zwischen den Brüdern kommt auch sonst mit sensiblem Humor zum Ausdruck, etwa wenn sie sich unter vielen Verrenkungen einvernehmlich die schmale Luftmatratze teilen. Alexander Wipprecht als Jake und Tim Ludwig als Elwood spielen und singen das famos.

Unsere beiden Blues Brothers sind im Übrigen aus frommem Grund unterwegs, was die flotte Show vor der Stiftskirche zusätzlich legitimiert: Sie wollen die Kirche ihres ehemaligen Kinderheims retten. Dafür brauchen sie 5000 Dollar, die sie mit ihrer Ex-Band einspielen wollen. Doch die ist in alle Winde verstreut.

Das gibt etwa Murph und Duck, die inzwischen als Latin-Sänger arbeiten, die Chance, mal andere Musikstile einzubringen. Guido Kleineidamm und Marc Lamberty machen das mit ebenso viel Charme wie Jan Kämmerer und Kathrin Osterode als Country-Duo. Großartig lässt Marlene Meldrum-Hunt ihre Soul-Stimme tönen, Femi Göklü begeistert als schwuler Cop mit Musicalstimme, und Dennis LeGree fungiert als Seele des Blues und Erzähler zum Stück. Am Ende haben sie das Geld tatsächlich ehrlich ersungen, die Kirche ist gerettet. Aber nebenbei haben die Blues Brothers so viele Gesetze übertreten, dass sie prompt in den Knast überstellt werden. Der bekannte "Jailhouse-Rock" suggeriert, dass ihnen da viel Spaß blühe. Auch eine Art Happyend.

Darsteller und die Band werden zurecht bejubelt. Aber ob es dem Profil der Domfstspiele wirklich gut tut, wenn neben einer "Swinging-Schlagerette" auch noch ein Blues-Musical auf dem Spielplan steht, auf ein klassisches Drama aber ganz verzichtet wird, ist fraglich.

Montag, 21.06.2010
Quelle: http://www.newsclick.de/index.jsp/artid/12454027/menuid/2184

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