"Wir sind wohl eine Einstiegsdroge"
"Ärzte"-Trommler Bela B. über alternde Punkrocker und seine fiese "Tatort"-Rolle
Als Dirk Felsenheimer kennt ihn kaum einer. Als Bela B. desto mehr. Seit zwanzig Jahren singt und trommelt er in der Punkrock-Band "Die Ärzte". Kurz vor dem Konzert gestern Abend in der Braunschweiger VW-Halle hatte Sandra Wirsching Gelegenheit zum Interview mit Bela.
Du hast mal einen schönen Satz gesagt: Das Auge rockt mit. Am Sonntag war Dein 41. Geburtstag. Wie lange lässt Du noch Augen rocken?
Zum Glück spiele ich ja nicht vor Spiegeln, sondern vor Publikum. Im Moment jedenfalls fühle ich mich fitter denn je. Aber das hat auch Phil Collins von sich behauptet. Für mich gibt es noch kein Ende. Auf Tour zu sein, das macht solchen Spaß. Man kann auch in Würde altern. Dann geht man eben vom Rock zur großen Showtreppe über. Eine mit blickenden Lichtern und schönen Backgroundgirls. Das Auge rockt ja mit, nicht wahr?
Fühlst Du Dich immer noch als Punkrocker, oder wie würdest Du Eure Musik heute beschreiben?
Ehrlich gesagt, machen wir heute eher Punkrock als früher. Wir lösen uns viel mehr von Konventionen und tun Dinge, die die Leute nicht von uns erwarten. Und diese Unabhängigkeit von Erwartungen nenne ich Punkrock, obwohl das Wort an sich auch nur noch eine Schublade ist, um sich von anderen abzugrenzen. Bei härteren Songs jedenfalls sind wir deutlich kompromissloser, als wir das früher waren.
Über die Toten Hosen hast Du gesagt, sie würden die Wut der Straße besingen. Was besingt Ihr?
Das klingt jetzt vielleicht komisch, aber wir sind individueller. Wir besingen eher das Individuum und seine Gefühle. Wir spielen eher ein Liebeslied als einen Gang-Song. Die Ärzte sind dem Pop viel näher. Und beim Pop geht es immer um den Einzelnen, der mit Problemen fertig werden muss.
Früher galten die Hosen als Jungen- und die Ärzte als Mädchenband. Hat Dich das geärgert oder gefreut?
Das hat mich immer schon gefreut. Als die Konzerte größer wurden, da war das angenehmer, vor mehr Mädchen zu spielen. Das hat Spaß gemacht und dem Ego gut getan. Ob wir besser aussahen als Campino und Co., kann ich nicht sagen.
Vor zwanzig Jahren habt Ihr Teenager begeistert. Heute wieder. Wie erklärst Du Dir das?
Dass Kids uns entdecken, obwohl wir in der Teenie-Presse nicht mehr präsent sind, liegt vielleicht daran, dass wir eine bestimmte Unangepasstheit darstellen. An uns kommt man leicht ran. Es gibt viele, die über uns zum Underground, zur Gitarrenmusik gekommen sind. Da sind wir wohl eine Einstiegsdroge.
In einem "Tatort" hast Du mal einen koksenden und dealenden Discjockey gespielt. Hast Du Dir die Rolle ausgesucht?
Ja, "Tatort" ist Fernseh-Adel. Das Scratchen habe ich in zwei Tagen von einem echten DJ gelernt, damit das ein bisschen echt wirkt.
Kürzlich hast Du in einem Interview erzählt, dass es Dich nervt, wenn Gitarrist Farin im Restaurant immer Extrawünsche hat und Deine Bestellung darüber oft vergessen wird. Was nervt ihn wohl an Dir?
Garantiert meine Unpünktlichkeit. Die ist einfach chronisch, ich kann nicht pünktlich sein. Da gab es schon viel Streit. Aber ich habe mich schon gebessert.













