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13. Februar 2012
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"Ich will den Ruhm, Darling"

Der große Untote: Stones-Gitarrist Keith Richards feiert heute 60. Geburtstag

Von Reinhard Brennecke

"Das ist es doch wohl nicht, wofür die Stones stehen, oder was?" erboste sich Keith Richards über seinen Band-Kollegen Mick Jagger. "Ich habe keine Lust, mit jemandem auf der Bühne zu stehen, der ein Krönchen trägt und sich mit Hermelinkragen rausputzt", setzte der Archetyp eines Rock ’n’ Rollers, der an diesem Donnerstag seinen 60.Geburtstag feiert, giftig nach. Sir Mick konterte gelassen: "Es ist schön, diese Ehrung zu erhalten, so lange man sie nicht zu ernst nimmt." Im Übrigen seien Keith und er dicke Freunde. Das sind sie schon mehr als 40Jahre – und eines der erfolgreichsten Songschreiber-Teams der Rockgeschichte.

Der von Prinz Charles vollzogene Ritterschlag für Jaggers Verdienste um die Popmusik wird die "Glitzer-Zwillinge" nicht entzweien. Im Gegenteil: Er bietet publikumswirksame Gelegenheit, das alte Rollenspiel aufzufrischen: Diplomat versus Rotzlöffel. Auf der einen Seite agiert Sänger und Frontmann Jagger, der das millionenschwere Wirtschaftsunternehmen Rolling Stones lenkt und noch immer die beste Show des Rock ’n’ Roll abliefert, der aber zugleich zum internationalen Jetset der Reichen und Schönen gehört.

Ewiger Rebell

Auf der anderen Seite bewegt sich Gitarrist Richards, der unübertroffene Darsteller des "Keith Richards". Er ist der ewige Rebell, der mit Totenkopfring und Handschellen-Armschmuck lässig auf die Bühnen der Welt schlendert, langsam die Beine grätscht und die wuchtigen Akkorde der Stones-Klassiker von "Satisfaction" über "Honky Tonk Women" bis zu "Jumpin’ Jack Flash", "Brown Sugar" und "Gimme Shelter" in die Verstärker jagt.

Seit ihrer Jugendzeit im britischen Dartford funktioniert die Arbeitsteilung der Glimmer Twins – durch alle Höhen und Tiefen einer gnadenlosen Branche. Sie haben beide, wie Edo Reents in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung resümierte, durchgehalten: "Doch nur Jagger macht man das zum Vorwurf." Die provozierende Fitness, die der bereits im Juli 60Jahre alt gewordene Mick bei Auftritten demonstriert, verträgt sich nicht mit dem Mythos des Rock ’n’ Roll, dass sich ein Musiker in einer kurzen, intensiven Existenz selbst verzehren muss. Diesen Mythos fasste Pete Townshend, Chef der Gruppe The Who, in dem Song "My Generation" in der unsterblichen Zeile zusammen: "I hope I’ll die before I get old" – Ich hoffe, ich kratze ab, bevor ich alt werde.

Richards, dem "besten schlechtesten Gitarristen der Welt" (Alexis Korner), verzeihen die feuilletonistischen Analytiker, die wie Muscheln am Stones-Wal kleben, dass der Star überlebt hat. Er ist der große Untote des Geschäfts, der sich seinen "Ritterschlag" durch Drogen- und Alkoholexzesse redlich verdiente.

"Drei Meter über der Erde"

Dabei hat Keith eine gusseiserne Disziplin: Der Mann, der auf "Sympathy For The Devil" in rund 30Rasiermesser-scharfen Sekunden das wohl beste Solo der Rockmusik hinfetzte, hat tausende von Konzerten absolviert. Er ist Profi bis in die Knochen – wie Jagger sowie die Band-Kollegen Ronnie Wood (Gitarre) und Charlie Watts (Schlagzeug). Wenn er einen Auftritt versäumte, hatte das Gründe – etwa den Sturz von der Leiter in seiner Bibliothek, weil ihn ein Wälzer über Leonardo da Vinci aus dem Gleichgewicht brachte.

Wenige Monate, bevor die Rolling Stones 1995 bei ihrer "Voodoo-Lounge"-Tournee Wolfsburg aufmischten, umschrieb Richards, was ihn in den Stiefeln hält: "Geld ist eine feine Sache. Aber ich bin nicht nur des Geldes wegen dabei, ich will den Ruhm, Darling." Und es gibt für ihn bei Konzerten noch immer den magischen Punkt, "wo alles von allein geht, wo du drei Meter über der Erde stehst und glaubst: Das ist der halbe Weg zum Paradies".

Donnerstag, 18.12.2003
Quelle: http://www.newsclick.de/index.jsp/artid/2328351/menuid/2184

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