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13. Februar 2012
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"Diese Sprache ist das größte Kunstwerk"

Aus Liebe zum Hocharabischen: Friedrich Niewöhner erläutert das Schwerpunkt-Thema der Buchmesse

Von Harald Likus

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Aller guten Dinge sind drei. Nein, das ist kein arabisches Sprichwort. Sehr wohl aber das Sprüchlein, das wir uns merken, wenn wir uns mit dem Arabisten und Philosophie-Professor Friedrich Niewöhner in seinem lichten Wolfenbütteler Büro an die arabische Literatur herantasten, das Schwerpunkt-Thema also der großen Frankfurter Buchmesse.

Denn die arabische Literatur ist dreigeteilt, wie Niewöhner erläutert. Da gibt es erstens die anonym überlieferten Erzählungen, etwa die berühmten "Geschichten aus tausendundeiner Nacht". Zweitens gibt es den Roman in europäischer Tradition. "Das ist eine junge Gattung", sagt der Professor, "der erste Roman auf Arabisch wurde erst am Anfang des 20. Jahrhunderts verfasst." Und dann gibt’s die Lyrik – drittens und hauptsächlich. "Lyrik ist das Kerngeschäft der arabischen Literatur", sagt der Niewöhner mit Nachdruck.

Übersetzungen sind rar

Arabische Literatur – das klingt in vielen Ohren exotisch, ein Minderheiten-Programm eben. Was schon stimmt bezüglich der Rolle, die der arabischen Literatur in Deutschland zukommt. Nicht mehr als 114 Werke arabischer Literatur sind in den letzten 20 Jahren ins Deutsche übersetzt worden, sagt Niewöhner – und hofft schon, dass die Buchmesse hier einen Anschub gibt. Zugleich droht das Exotik-Klischee aber auch, die Größenordnung zu verschleiern: Es geht um die Literatur einer Sprache, die von 280 Millionen Menschen gesprochen wird.

Sprachlich darf man sich diese Literatur als sehr traditionsgebunden vorstellen. "Wer etwas auf sich hält, schreibt Hocharabisch, die Sprache des Koran", sagt Niewöhner, "Diese Sprache ist das größte Kunstwerk der arabischen Welt, bedeutet viel mehr als alle Moscheen und alle Teppiche."

Die starke Wirkung dieser Sprache sei es ja auch, welche die Lyrik den Religionswächtern so gefährlich erscheinen lasse. "Stellen Sie sich mal hier vor Karstadt und lesen Sie ein Gedicht – Sie werden ausgelacht. In Damaskus bleiben die Leute stehen, wenn einer liest, und lassen sich wirklich beeindrucken", sagt Niewöhner. Und genau um diese Sprache müsste es auf der Buchmesse hauptsächlich gehen.

Das hört sich fast nach Messe-Kritik an – und ist auch so gemeint. Zum einen fürchtet Niewöhner, dass in Frankfurt nicht nicht nur Literatur, sondern auch kitschige Orientalistik gefeiert werde. Vor allem aber stört ihn, dass das Messe-Programm immer wieder auf Politik und Islam, auf Demokratie und Terrorismus oder am besten alles zusammen abhebt. "Ich möchte das als Spionage-Blick bezeichnen", sagt Niewöhner, "wie Spione lesen die Leute die Bücher, sind immer auf der Suche nach verdächtigen Tendenzen."

"Klingt wie Rilke, oder?"

Die simple Tatsache, dass Dichter, die Arabisch schreiben, sehr gut auch Christen und Atheisten sein können, werde ebenso missachtet wie die, dass auch im Exil große Literatur entstehe. Sagt der Professor, wühlt auf dem Schreibtisch und liest ein Gedicht der irakischen, in den USA lebenden Dichterin Lami’a A. Amara: "Sein Bild schläft auf meinen Augenlidern, wacht auf mit mir, folgt mir, kreist um meine Tür." Und dann macht Niewöhner eine Pause, lächelt kurz, sagt: "Klingt wie Rilke, oder?" und fügt noch eine Frage an: "Was, bitte schön, hat das mit Islam oder gar mit Terrorismus zu tun?"

Donnerstag, 07.10.2004
Quelle: http://www.newsclick.de/index.jsp/artid/3324243/menuid/2184

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