Der Mond ist mächtig aufgegangen
Jubel, Trubel, kaum noch Runzeln: Die junge Erfolgs-Band Silbermond rockte gestern Abend in Braunschweig
So viel Gedränge, Gewummer, Gefühle! Die Rock-Band Silbermond aus Bautzen trat gestern Abend in der Braunschweiger Diskothek Jolly Joker auf. Jung, sächsisch, erfolgreich ist die Gruppe, die 1800 Karten waren lange schon verkauft.
Dementsprechend ging die Post ab, als die hübsche Sängerin Stefanie Kloß und ihre drei Mannen nach zwei Vorbands auf der Bühne standen. Wobei: Erstmal waren da nur die drei Steffi mit dem Wippe-Zopf nahm noch ein Schnupper-Bad in der tosenden Menge. Begeistert wogte die sodann im Rhythmus der Gitarren-Rock-Kracher wie "Du und ich", bestechend textsicher tönte der Jolly-Chor zu ruhigeren Titeln wie dem von der "Letzten Bahn".
Ja, es war bis zum Redaktionsschluss nach einer knappen Stunde die reine Silbermond-Seligkeit. Sogar taufrische Songs wie "Kauf mich" gabs. Und spontan charmante Einlagen wie dem "Machs dir selbst"-Mitsingen der freiwilligen Lisa aus der ersten Reihe. Im "Zicken"-T-Shirt stand die plötzlich auf der Bühne sang aber viel schöner. Ach, ist er nicht wunderbar, der rasende Erfolg der netten neuen Rock-Musik aus deutschen Landen?
Nett: schon, aber neu? Na ja. Ganz hinten, in Theken-Nähe, war selten noch jenes Stirnrunzeln der älteren Recken zu sehen, das genau so zur Silbermond-Geschichte gehört wie spöttisch-abfällige Kritiken. Es stimmt nun mal: Schwindelerregende Originalität kann die Band nicht für sich reklamieren. Das Gitarren-Riff in "Du und ich", die Klavier-Einleitung "Symphonie", das ist eher 08/15. Erst recht gilt das für die Texte, all die schlichte Liebeslyrik sowie die eher braven Aufbegehr- und Lebensberatungs-Zeilen à la "Mach, was dir gefällt/ Lass dir nichts erzähln". Und wer sich von Stefanie Kloß am Montag in Beckmanns Fernseh-Runde Markiges, irgendwie Extravagantes erhofft hatte, der erfuhr, dass sie Sängerin geworden ist, weil ihr das Querflöte-Spielen zu anstrengend war. Doch all die mokanten Bemerkungen, die man so macht über Silbermond, sind nicht die ganze Wahrheit. Weil knackige Lieder wie "Passend gemacht" oder auch das hübsch Moik-und-Bild-kritische "A Stückl heile Welt" schon eine anspruchsvollere Richtung weisen. Und vor allem, weil der "Gabs schon mal"-Einwand in der Rock-Musik weniger zählt als anderswo. All die begeisterten Siebzehn- bis Dreiunddreißigjährigen gestern Abend wollten partout nicht wissen, wer in welchem legendären Londoner Studio 1978 welche legendäre Gitarre in die legendären Hände nahm. Sie wollten eine Band dieser Stunde: Silbermond. Sie haben sie gefeiert. Und das war nicht das Schlechteste.













