"Lustige Texte kann ich schon lange"
Ärzte-Star Farin Urlaub spricht über sein Solo-Projekt Heute in Braunschweig
Farin Urlaub verreist nicht nur gerne, was ihn zu seinem Künstlernamen inspirierte der Blondschopf der "Ärzte" macht auch als Solomusiker eine gute Figur. Nach seinem Debüt "Endlich Urlaub" legte der 41-Jährige jetzt "Am Ende der Sonne" vor. Am 15. Juni tritt der ironisch gewiefte Punk-Rocker mit einer Mädchen-Band, dem "Racing Team", im Braunschweiger Jolly Joker auf (ausverkauft). Bastian Ludwig fragte ihn nach seinen Plänen.
Sie haben im Studio mit Ausnahme der Blasinstrumente alles selbst eingespielt. Geben Sie Sachen nur ungern aus der Hand?
Es dauert einfach länger, wenn ich jemandem erklären muss, was ich will, als wenn ich es selbst mache. Außerdem liegt es an meiner unorthodoxen Arbeitsweise. Ich stehe sehr früh auf und arbeite dann sehr lange. Das ist schwer mit anderen Musikern vereinbar.
"Am Ende der Sonne" ist ernster als ihr Debüt. Möchten Sie endlich ernst genommen werden?
Nein, die Stimmung war so in mir, und dann hab ich sie einfach rausgelassen. Lustige Texte kann ich schon lange, das hatte ich schließlich schon bewiesen.
Im Lied "Porzellan" besingen Sie die ständige Suche nach dem Glück. Leben wir in einer Gesellschaft der Unglückseligen?
Ich will es nicht übertreiben mit der Philosophie, aber ich nehme das so wahr. Viele Leute messen sich nicht an dem, was sie schon haben, sondern daran, was ihnen noch fehlt. Das Fernsehen und die Werbung suggerieren ein perfektes Leben, ein Menschenbild, das nicht der Realität entspricht. Wenn man das auf sich selbst überträgt, kann man nicht glücklich werden. Auf meinen Reisen habe ich erlebt, dass die Menschen in anderen Kulturen mit weniger zufrieden sind.
Sind Sie ein anderer Farin Urlaub, wenn Sie solo auftreten?
Quatsch. Außer vielleicht, dass ich bei den Ärzten einen gewissen Zwang zum Lustigsein verspüre. Den habe ich mit dem Racing-Team nicht. Das ist sehr angenehm.
In "Alle dasselbe" singen Sie darüber, dass alle sich im Grunde nur nach Sonne, Essen, Bett und Liebe sehnen. Was ist Ihnen wichtig?
Gesundheit, Freundschaft, Liebe. Und dass ich nicht erschossen werde.
Fällt das nicht unter Gesundheit?
Es hat aber auch mit Sicherheit zu tun. Man kann auch gesund erschossen werden.
Entgegen aller Vorurteile gegenüber Punkrockern sind Sie Nichtraucher, Antialkoholiker, Vegetarier, NichtFernsehgucker. Würden Sie sich als superkontrolliert bezeichnen?
Es sind alles Sachen, die mich nicht interessieren. Ich muss mich also nicht dazu zwingen, sie nicht zu tun.
Gerhard Schröder oder Angela Merkel?
Was da an Populismus mitschwingt, ist mir bei beiden unlieb. Ich möchte die Entscheidung nicht treffen.













