Niederrheiner mit Widerhaken
"Ich sing für die Verrückten": Zum Tod des Kabarettisten Hanns Dieter Hüsch
Mein Vater mag keine Kabarettisten. Die sind alle so links, sagt er. Nur eine, nun erst recht linke Ausnahme lässt er gelten: Hanns Dieter Hüsch.
Die Begründung ist schlicht. Im Mainzer Studenten-Kabarett hatte er ihn Ende der 40er Jahre schon auf der Bühne gesehen. Und die folgende Regel hatte dann ja auch ein halbes Jahrhundert lang Bestand: Wer den abseitig gründelnden, kunstsinnig komischen, immerzu um Worte ringenden Sprachschöpfer Hüsch mal in Hochform erlebt hat, der blieb meist ein Verhüschter.
In der Nacht zu Dienstag ist Hanns Dieter Hüsch in seinem Haus in der Nähe von Köln gestorben. Der niederrheinische Meckerkopp und der schrullige Hagenbuch sind seine bleibenden Schöpfungen. Er war einer der größten Kabarettisten des vorigen Jahrhunderts.
Hüsch wurde 1925 geboren, zog sich im Jahr 2000 von der Bühne zurück, nun starb er 2005. Zumindest rechnerisch ist das alles also eine glatte Geschichte. Viel wichtiger aber sind in Sachen Hüsch die Widerhaken.
Die niederrheinischen, versteht sich. "Alles, was ich bin, ist niederrheinisch", sagte er. In der Kleinstadt Moers wuchs Hüsch auf. Gehbehindert war der Junge. Mehrfach musste er an den Füßen operiert werden. Immerhin ersparte ihm sein Leiden die Teilnahme im Krieg.
Die Liebe zum Sonderling an und für sich und die tiefe, allzu tiefe Kenntnis des kleinbürgerlichen Milieus, das waren die prägenden Einflüsse auf sein Bühnen-Leben. "Ich sing für die Verrückten, die seitlich Umgeknickten", skandierte zu dünnen Orgelklängen. Und in launigen, im Alter seichter werdenden Monologen kennzeichnete er wieder und wieder den gehassliebten Menschenschlag seiner Gegend: "Der Niederrheiner weiß nix, kann aber alles erklären. Und umgekehrt. Wenn man ihm etwas erklärt, versteht er nix. Das heißt, er versteht es manchmal schon. Aber er will es nicht einsehen."
Das Sprech-Talent und eine tiefe Bildung zeichneten Hüsch aus. Leicht und locker meisterte er die Aufgabe eines Synchronsprechers für Hunderte von Laurel-und-Hardy-Filmen. Aber er ruhte sich nicht aus auf seinem Talent. Sondern schuf in den 70ern mit seiner Hagenbuch-Figur eine Type von irritierender poetischer Dichte.
"Hagenbuch hat jetzt zugegeben...", so pflegten sich die sprachlichen Bandwürmer in Bewegung zu setzen. Geschult an Thomas Bernhards Manier erging sich Hüschs Hagenbuch in denkwürdig kruden Phantasien, die so oft kopiert wie selten erreicht wurden. Sein Thema: Na ja, der Zustand der Welt, dieser verrückten, hochnotpeinlichen und tieftraurigen Welt.













