Mozarts Exil in China
Classix-Festival: Nord-LB-Artist-Award an Yundi Li
Er gilt als größter Tastentiger Chinas neben Lang Lang und wird in seiner Heimat wie ein Popstar umjubelt: Yundi Li. Gestern bekam der 24-Jährige im Gästehaus der Landesregierung in Hannover den Nord-LB-Artist-Award des Braunschweiger Classix-Festivals allerdings in Abwesenheit. Ein Grippe hatte den Pianostar in seiner fernöstlichen Heimat ans Bett gefesselt.
Auch der Schirmherr, Ministerpräsident Christian Wulff, war verhindert. An seiner Statt las Finanzminister Hartmut Möllring eine uninspirierte Rede vom Blatt.
Classix-Intendant Hans Christian Wille überspielte die etwas triste Situation, indem er mahnend den Klassik-Boom im Reich der Mitte beschwor: "Durch China wird die abendländische Kultur sicherer! Während die deutsche Jugend sich für eine Teenie-Band namens ,Tokio Hotel begeistert, überleben Mozart, Beethoven und Bach im chinesischen Exil."
Für Yundi Li nahm dessen zwei Jahre jüngerer Freund und Kollege Haiou Zhang den Preis in Gestalt einer kleine Porzellanfigur entgegen. Und als der zierliche Junge im roten Anzug sich an den Flügel setzte, um Chopins Scherzo Nr. 2 zu intonieren, da ahnte man, welch ein unermessliches Reservoir an Talenten da fern im Osten heranblüht.
Donnernd und doch so filigran, dass man jede Note heraushörte, furios zupackend und doch gefühlvoll in den leisen Passagen, ohne ins Sentimentale abzugleiten das sind nicht bloß perfekte Technik-Maschinen, die da auf uns zukommen, sondern richtig gute Musiker.
Man kann sicher sein: Wäre Zhang auch krank geworden, hätte ein anderer Chinese da gesessen und ebenso brillant gespielt. Und wäre der auch krank geworden Und so weiter.
Am 13. Mai spielt Yundi Li beim Classix-Festival um 20 Uhr im Lessingtheater Wolfenbüttel Werke von Mozart, Schumann, Liszt und Chopin.













