Warum wir die Geheimnisse anderer Länder nicht verstehen
Abenteuer-Roman mit Tiefgang: Ilija Trojanows "Der Weltensammler" porträtiert einen neugierigen Offizier
Sommerzeit ist Lesezeit. In unserer Serie haben Kulturschaffende lesenswerte Bücher empfohlen. Zum Abschluss ist heute Braunschweigs Domprediger Joachim Hempel an der Reihe.
Richard Burton ist ein exzentrischer Typ. Die Tatsache, dass er Offizier der britischen Krone ist, bietet im 19. Jahrhundert nahezu unbegrenzt die Möglichkeit abenteuerlichen Reisens: das Empire als "Global Player".
Ilija Trojanow zeichnet in seinem Abenteuerroman aber auch die Grenzen auf, die selbst ein Exzentriker nicht ohne Weiteres zu überschreiten vermag.
Letzteres spornt Burton aber immer wieder zu neuen ausgefallenen Aktivitäten an. Getrieben wird er von dem Reiz, das Wesen fremder Kulturen zu verstehen. Damit begibt er sich aber schon in die Rolle eines uniformierten Sonderlings, der von Kameraden wie Vorgesetzten beäugt wird.
Eigentlich gings damals wie heute beim Reisen um die zentrale Frage: Will der Reisende die Andersartigkeit der Kulturen sehen und erleben, oder will er sich in allen Ländern wie zu Hause fühlen?
Ilija Trojanows Roman entwickelt sich zum Abenteuerroman, weil sein Titelheld im Dialog mit aus den Mosaiken fremder Kulturen auftauchenden Gesprächs- und Erlebnispartnern Statur und Profil gewinnt.
Nebenbei hilft "Der Weltensammler" zu erklären, warum die westliche Zivilisation Dynamik, Fremdheit, Geheimnis anderer Welten kaum ansatzweise versteht.
Ilija Trojanow: "Der Weltensammler". Hanser-Verlag, 480 Seiten, 24,90 Euro.













