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13. Februar 2012
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Ein Traumtänzer, trotz alledem

Der Liedermacher Hannes Wader gastierte im Braunschweiger Audimax

Von Martin Jasper

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Bei Hannes Wader wird einem warm dort links im Brustkorb, wo das Herz sitzt. Denn links hat bei Wader nichts zu tun mit Hartz IV, Mindestlohn oder der Rente mit 60.

Links, das in den Versen des graubärtigen Barden noch immer der große Menschheitstraum, das herrliche Freiheitslied aller Geknechteten, das utopische "trotz alledem".

Links, das waren die Helden des griechischen Widerstands gegen das Obristen-Regime, das war die Volksfront im spanischen Bürgerkrieg.

Ach, waren das

heroische Zeiten

Jetzt sang der 65-Jährige wieder davon im gut gefüllten Braunschweiger Audimax mit seiner ungebrochen klaren, in den Tiefen sonoren, in den Höhen etwas dünner gewordenen, aber immer noch emphatisch vibrierenden Stimme. Da überkam den Zuhörer so ein nostalgisches Schaudern. Ach, waren das heroische Zeiten! Und heimlich denkt man: Es ist doch ein bisschen langweilig, dass Europa jetzt so eine brav bürokratische Einheitssuppe geworden ist – trotz alledem. Schlechte Zeiten für Helden!

Wader sieht sich ähnlich wie Wolf Biermann als verlorener Posten im ewig währenden Freiheitskrieg, heute hier, morgen dort, schon so lang, müde und leer, gebeugt, aber nicht gebrochen usw.

Die beiden gitarrenzupfenden Liedermacher werden allmählich historisch. Doch dem eher introvertierten Westfalen und Wahl-Holsteiner fehlt Biermanns schnoddrige Großmäuligkeit. Er wirkt bescheidener.

In Braunschweig bot Wader einen Querschnitt aus seinem Schaffen. Darin verknüpft er den reichen Schatz rebellischer deutscher Volkslieder mit der irisch-schottischen Folk-Tradition, mischt einen Hauch Romantik hinein, eine Prise Wandervogel und eben jenes Revolutionspathos.

"Doch leben unsere

Träume fort"

So stellt sich der Mann mit der minimalen Bühnenshow und der großen Präsenz, der auch ganz weich und melancholisch von der Natur, von der Liebe und dem Tod singt, in die alte Tradition des Herzblut-Barden, des vogelfreien Sängers, der nichts hat als sein Lied.

Deshalb kommen bei ihm auch Klischees nicht Udo-Jürgens-mäßig aufgesetzt rüber, sondern sie erwachsen quasi natürlich aus eben jener Tradition. Etwa der Stolz, sich auch in Zeiten der kühlen Rechner zu den Spinnern, Narren, Traumtänzern zu zählen. Geht in Ordnung, Hannes, möchte man rufen, dir nehm’ ich das ab.

Nach einer berühmten Melodie von Theodorakis singt der Mann, der – trotz alledem – von einem neuen Sozialismus träumt, voll anrührender Inbrunst: "Doch leben in denen, die uns nachgeboren sind, doch unsere Träume fort." Da mag man Zweifel hegen. Hannes Wader ist wohl der letzte seiner Art. Schön, ihn noch mal erlebt zu haben.

Montag, 03.03.2008
Quelle: http://www.newsclick.de/index.jsp/artid/8080344/menuid/2184

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