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14. Februar 2012
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In China ist Klassik eine Geld-Frage

Muhai Tang, Gastdirigent in Braunschweig, über Europas Musik in seiner Heimat


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Der Erfolg junger Star-Pianisten wie Lang Lang, Yundi Li und Haiou Zhang, der im Mai beim Braunschweiger Classix-Festival zu hören sein wird, hat deutlich gemacht: China hat auch in der klassischen Musik Exportschlager zu bieten. Sind das herausragende Ausnahmen oder liegt die Zukunft der Musiktradition des Abendlandes im Reich der Mitte? Florian Arnold sprach darüber mit dem gebürtigen Shanghaier Muhai Tang, der gestern und am Sonntag als Gastdirigent das 7. Sinfoniekonzert des Braunschweiger Staatsorchesters leitete.

Seit wann beschäftigt man sich in China mit der klassischen Musik Europas?

In Shanghai gibt es schon recht lange ein klassisches Musikleben. Das hängt mit der Besetzung durch Deutsche und Franzosen zusammen und damit, dass es in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts die einzige Hafenstadt war, in die man ohne Visum reisen konnte. Viele europäische Juden emigrierten dorthin. In anderen wichtigen Städten wurden Opernhäuser nach Gründung der Volksrepublik 1949 geschaffen: Man orientierte sich am System des russischen ,Bruderstaats’. Während der Kulturrevolution von 1966 bis etwa 1973 galt Klassik als schlechte westliche Kultur. Dann sorgten Gastspiele amerikanischer Orchester für neuen Schwung, der auch mich erfasste. Nach den Geschehnissen 1989 in Peking folgten wieder schwierige Jahre, bis Deng Xiaoping die erneute Öffnung ausrief.

Wer interessiert sich heute in China für klassische Musik? Ist es die Oberschicht oder werden Bach und Beethoven auch den Kindern in den Volksschulen nahegebracht?

Es gibt einen grundsätzlichen Unterschied zwischen dem Bildungsniveau auf dem Land, wo teils fürchterliche Verhältnisse herrschen, und den großen Städten. Doch auch hier gilt: An Klassik herangeführt werden vor allem Kinder wohlhabender Eltern. Viele sagen: Wir wissen nicht, ob unser Kind Banker, Wissenschaftler, Schriftsteller oder doch Musiker wird. Eine klassische Ausbildung kann ihm nicht schaden.

Vor 30 Jahren war es noch ein staatliches System: Talentierte Kinder wurden ausgewählt und intensiv gefördert. Sie konnten es sich aber nicht aussuchen. Heute ist es freier, aber eine Frage des Geldes. Als Musiklehrer haben sie in den Metropolen ein gutes Auskommen.

Sind die Chinesen ein musikalisches Volk?

Das würde ich sagen. Das hängt mit der jahrtausendealten chinesischen Kultur zusammen und mit unserer Sprache, die melodisch ist, schon wegen der nuancenreichen Betonungen, und poetisch. Unsere Grammatik ist zwar einfach, aber wir haben für viele Dinge eine große Auswahl von Bezeichnungen, die ebenfalls sehr nuancenreich sind.

Hat Musik einen hohen Stellenwert im Alltag?

Nun, den flächendeckendsten Einfluss auf die Menschen hat wie in vielen bevölkerungsreichen Staaten die Filmindustrie. Es gibt durchaus ein chinesisches Bollywood. Für ein breites Publikum ist diese Kunstform am einfachsten zu genießen.

Die abendländische Musik ist ohne Kenntnis der Kultur- und Religionsgeschichte auch nicht leicht zu verstehen. Aus diesen Wurzeln speist sich ihre Kraft, eigentlich muss man sie kennen. Die bildende Kunst hat es da vielleicht einfacher.

Dienstag, 18.03.2008
Quelle: http://www.newsclick.de/index.jsp/artid/8155547/menuid/2184

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