BZV
newsclick
Suchen
09. Februar 2012
2-Tage-Vorschau

Der Superstar von gestern

Knapp 1200 Fans wollten Mark Medlock in Braunschweig hören

Von Florian Arnold

zoom
Großansicht Großansicht

Über der dunklen Menge Köpfe vor der Bühne leuchten Dutzende von rechteckigen Lichtflecken. Es sind die kleinen Bildschirme der Handykameras, mit denen die Fans ausdauernd auf Mark Medlock anlegen.

Wann kommt man auch schon mal so dicht an einen so genannten Superstar ran wie gestern Abend in der Braunschweiger Stadthalle? Da waren Nahaufnahmen drin, denn mit knapp 1200 Besuchern war der Saal nur mäßig gefüllt.

Nun ist das mit den Digitalfotos so eine Sache. Länger als zehn Jahre halten digitale Daten angeblich nicht. Wie lange wird sich Mark Medlock im Rampenlicht halten? Nach seinem Auftritt gestern wagen wir die Prognose: deutlich kürzer.

Ok, Stimme hat er, der 29-Jährige, der vor knapp einem Jahr die vierte Staffel der Fernsehshow "Deutschland sucht den Superstar" aus der Langzeitarbeitslosigkeit heraus gewann. Es ist angenehm kratzig, sein Organ, geschmeidig und recht sicher in der Intonation. In Braunschweig klingt Medlock allerdings schon ziemlich strapaziert vom Touren.

Und seine Stimme ist wahrlich keine Urgewalt, die es etwa mit Marvin Gay oder Louis Armstrong aufnehmen könnte. Trotzdem singt der gebürtige Offenbacher ihre Lieder. Denn so schnell kann selbst die Gebrauchshitmaschine Dieter Bohlen ihrem Schützling keine Stücke auf den Leib schneidern, dass es ein Jahr nach der Entdeckung für ein komplettes Konzert reichen würde.

Klassiker wie "Ain’t No Sunshine When She’s Gone" interpretiert Medlock in Braunschweig so ordentlich, wie das Dutzende von Frontmännern von besseren Coverbands auf Altstadtfesten landauf, landab tun. Aber auch nicht viel besser. Seine Songs wie "Will this Dream Survive" oder "Feels Like The First Time" sind brave Soul-Nummern, die weder im Radio noch auf der Bühne noch beim Langeweilen stören. Zumal seine Band sie handwerklich akurat rüberbringt.

Verblüffend dilettantisch ist hingegen Medlocks Bühnenshow. Seine Titel kündigt er mit leisem Hessisch-Genuschele an, aus dem wenige Worte ins Verständliche hinausragen, wie "ihr Süßen", und "der Dieter, der Süße". Wer will, kann das unverkrampft nennen. Nichts dagegen, wenn einer nicht mehr sein will, als er ist – aber warum tapert er dann unbeholfen über eine Bühne und warum kostet der Spaß samt 08/15-Lichtregie fast 35 Euro?

So wird der Superstar von gestern noch schnell zu Geld gemacht, bevor der nächste ins Rampenlicht drängt. Die fünfte DSDS-Staffel läuft schon.

Mittwoch, 26.03.2008
Quelle: http://www.newsclick.de/index.jsp/artid/8193001/menuid/2184

Kultur-Videos

Rechnen Sie nach, was von Ihrem Gehalt übrig bleibt!

[ zum Brutto-Nettorechner ]

Kaya Yanar - "All Inclusive"

[ zum Artikel ]

Aufritt nach Trennung: Heidi Klum trägt Ring

[ zum Artikel ]

Momentaufnahme

[ zum Artikel ]