Ein Tastentiger nicht nur mit zorniger Pranke
Der chinesische Pianist Haiou Zhang zeigte beim Classix-Konzert im Schafstall Bisdorf auch zarte Miniaturen
Er hat die komplette Bandbreite vom erdentrückten Romantiker bis zum jungen Wilden drauf. Pianist Haiou Zhang wusste auch im Bisdorfer Schafstall, wie er das Publikum begeistern konnte, nämlich mit ausgeprägten Kontrasten.
Mozarts F-Dur-Sonate blieb allerdings mit recht beiläufiger Gestaltung und reichlichem Pedaleinsatz blass. Liszts "Les jeux deau" und "Sonetto del Petrarca" waren da schon von anderem Kaliber: versonnen, expressiv und sphärisch, sprudelnde Quellen, in flüssigen Läufen nachgezeichnet, die sich zu akkordischen Eruptionen verdichteten.
Zhangs Eigenkompositionen entpuppten sich als eher einfache, aber liebevoll arrangierte Miniaturen, in ihrer Eingängigkeit geeignet, um mit geschlossenen Augen den aus den harmonischen Klängen sich entwickelnden Bildern der eigenen Phantasie nachzusinnen.
Und wieder ein mächtiger Kontrast: Chopins Etüden Nr.11 und 12, bei denen sich Zhang als der angekündigte "chinesische Tastentiger" gebärdete und mit zornigem, ungemein kraftvollem Spiel und dramatischer Körpergestik den Flügel schier zu Kleinholz zu zerlegen schien.
Bei Chopins Scherzo Nr.2 waren schließlich alle Elemente in Ausgewogenheit miteinander vereint. Ein facettenreich interpretiertes Werk, bei dem aus profunder Technik und ausdrucksstarker Formgebung mit breiter Dynamik ein stimmiges Ganzes resultierte. Artige Verbeugung, ausgiebiger Beifall.













