Wie Braunschweigs teurer Vermeer nach Tokio reiste
"Das Mächen mit dem Weinglas" krönt eine hochkarätige Ausstellung in Japan
Bis Mitte Dezember bleibt den Besuchern des Herzog-Anton-Ulrich-Museums in Braunschweig das bedeutendste Bild des Hauses vorenthalten. Direktor Jochen Luckhardt hat Jan Vermeers Ölgemälde "Das Mädchen mit dem Weinglas" als Glanzstück einer hochkarätigen Ausstellung an das Metropolitan Art Museum von Tokio verliehen.
"Vermeer und der Stil von Delft" lautet der Titel der Schau, die rund 40 Bilder des niederländischen Barockmalers und von Zeitgenossen versammelt, die in seinem Stil malten. Den Braunschweiger Vermeer dabeizuhaben, war Tokio wichtig. Das lasse sich daran ablesen, dass das "Mädchen mit dem Weinglas" die Plakate für die Schau schmücke, berichtet die Leiterin der Braunschweiger Gemäldegalerie, Dr. Silke Gatenbröcker.
Nicht nur wichtig war das Gemälde den Japanern, auch teuer. Einen hohen fünfstelligen Betrag habe das Tokioter Museum für den Transport investiert, ganz zu schweigen von der Versicherungssumme. Die will Gatenbröcker ebensowenig beziffern wie den Wert des Bildes. Eine Leihgebühr an das Museum falle allerdings nicht an. "Das ist zwischen Museen nicht üblich", sagt sie.
Dennoch entschied sich Direktor Luckhardt, den Vermeer erstmals seit 2003, als er in den Madrider Prado wanderte, wieder zu verleihen. "Es ist eine Gratwanderung: Einerseits fehlt er den Besuchern hier. Andererseits ist die Schau in Tokio hochkarätig, was auf den Ruf unserer Sammlung ausstrahlt", sagt Gatenbröcker zum Entschluss.
Freischwebend aufgehängt, wurde das knapp 350 Jahre alte Kunstwerk von spezialisierten Speditionen in einer stoßgedämpften Klimabox befördert. "Dort herrschte den ganzen Transport über dasselbe Klima wie in unserer Gemäldegalerie, also etwa 50 Grad Luftfeuchtigkeit", sagt Gatenbröcker. Draußen in Tokio seien es rund 80 Prozent gewesen.
Sie begleitete das Bild mit der Restauratorin Verena Herwig bis zur Hängung in der Tokioter Ausstellung. Vermeer werde in Japan besonders geschätzt. Das Museum erwarte bis zu 1 Million Besucher.













