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19. März 2010
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Meinhof-Tochter: Film zeigt Täterversion

Bettina Röhl kritisiert den Film "Der Baader Meinhof Komplex" und ihren einstigen Retter  Aust


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Die Tochter der RAF-Gründerin Ulrike Meinhof arbeitet sich am politischen Erbe ihrer Mutter ab. Bettina Röhl behauptet eine Woche vor dem Kinostart, der Film "Der Baader Meinhof Komplex" zeige die Täterversion der Ereignisse. Die Filmemacher hatten hingegen behauptet, er räume mit dem RAF-Mythos auf. Röhl ist Publizistin, die unter anderem das Buch "So macht Kommunismus Spaß – Ulrike Meinhof, Klaus Rainer Röhl und die Akte Konkret" geschrieben hat.

Der Film wird erstmals in unserer Region bei einer Vorpremiere mit Diskussion im Braunschweiger Cinemaxx am kommenden Mittwoch, 19.30 Uhr, gezeigt. Er basiert auf dem gleichnamigen Buch des ehemaligen Spiegel-Chefredakteurs Stefan Aust. Dieser hatte Bettina Röhl 1970 zurück nach Deutschland gebracht, nachdem sie von RAF-Mitgliedern nach Sizilien verschleppt worden war. Redakteur Uwe Hildebrandt stellte der Meinhof-Tochter Bettina Röhl 18 zum Teil persönliche Fragen, von denen sie nur 4 beantworten wollte.

Ist das dem Film zu Grunde liegende Buch "Der Baader Meinhof Komplex" eine realistische Darstellung der Ereignisse?

Aust hat vor allem die Täterversionen, die er bei den Terroristen abgefragt hat, veröffentlicht und hat danach auch die Akten interpretiert. Insofern ist der Baader-Meinhof-Komplex nicht, wie oft behauptet, das Standardwerk zur RAF, sondern das Standardwerk zum Mythos RAF.

Im Baader-Meinhof-Komplex stehen tausende von unwichtigen Einzelheiten, wie ein Bundesbahnfahrplan, wann welcher Terrorist von A nach B gefahren ist und welche Lederjacke er an hatte. Das alles muss man überhaupt nicht wissen. Politische Einordnungen fehlen ganz, und bei Aust kommt der Staat immer irgendwie als unter Generalverdacht stehend vor. Das genau ist die Täterversion.

Der nächste Woche in die Kinos kommende Film soll nach Auskunft der Produzenten mit dem Mythos RAF aufräumen – gelingt ihm das?

Das kann ihm nicht gelingen, da er die Täter-Ikonen zu Hauptfiguren gemacht hat, neben denen nichts anderes Platz hat. Die Geschichte der Bundesrepublik, die Geschichten der Opfer und die Geschichte des bundesdeutschen Normalbürgers und die Geschichte der Gesellschaft werden ausgeblendet.

Der Film ist hochkarätig besetzt, aber Sie haben die Auswahl der Schauspieler kritisiert, warum?

Ich habe die Auswahl der Schauspieler mit Ausnahme von Martina Gedeck als Ulrike Meinhof nicht kritisiert. Ich finde, Bleibtreu spielt einen tollen Baader, allerdings hat der Baader, der sich jetzt in der Zuschauersicht bilden wird, nichts mit dem realen Baader zu tun. Das hat aber nicht der Schauspieler zu vertreten, sondern der Regisseur.

Wie hätte ein Film zur RAF-Geschichte denn Ihres Erachtens aussehen müssen?

Andere Geschichten erzählen, andere Lebensgeschichten, aus deren Perspektive sich eine Außensicht auf die Terroristen erschließt. Ein Paradebeispiel dafür, wie es richtig gemacht werden kann, ist der große Hollywoodfilm "Dear Hunter – Die durch die Hölle gingen". Dort wird mit Kriegsverherrlichung endgültig aufgeräumt, obwohl der Film nur zehn Minuten in Vietnam spielt und der Rest in einer amerikanischen Kleinstadt, aus der die Soldaten kommen.

Freitag, 19.09.2008
Quelle: http://www.newsclick.de/index.jsp/artid/9145031/menuid/2184

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