Lauter poppige Sahnestückchen
Silent Radio stellten in Braunschweig ihr neues Album "On The Outside" vor
Silent Radio sind im Grunde genommen eine Ü 30-Boygroup. Kann es etwas schöneres geben als vier smarte, reife Musiker mit gepflegten Koteletten und Dreitagebärten?
Na ja, für mich persönlich schon. Aber Sänger und Gitarrist Lars Bottmer und Geiger Rainer Tacke, Herz und Seele von Silent Radio, haben eine große Fangemeinde. Das Kleine Haus des Braunschweiger Staatstheaters ist mit 500 Fans ausverkauft, als die Band dort am Mittwochabend ihr erstes Studioalbum "On the Outside" vorstellt.
Eine Handvoll Popklassiker, meist aus den 80er Jahren, haben sie neu eingespielt. Und zwei Eigenkompositionen, "On The Outside" und "Autumn Time", die wir beim ersten Hören gar nicht als solche erkannt haben. Die klingen genau so schön melancholisch-ohrwurmig wie die alten Hits von Depeche Mode, den Eurythmics oder Duran Duran.
Die Braunscheiger haben vor Jahren als Akustik-Duo angefangen, heute bilden sie mit Schlagzeuger Lars Plogschties und Bassist Jens Müller ein Popquartett. Vier gut gebaute Herren in dunklen Hemden und modischen Jeans, die live wie auf CD mit vollem, warmen Klang überzeugen, teils ergänzt von Produzent Claus Hartisch an der Gitarre.
Lars Bottmers markanter Bariton vibriert im Zentrum. Kraftvoll in den Tiefen, fehlt es ihm in den Höhen noch an Strahlkraft, da neigt er zum Knödeln. Als Frontmann ist Bottmer brillant, bewegt sich gut, moderiert charmant. Bei Publikumsansprachen wie "you guys clap your hands now everybody" vergisst er zuweilen, dass er gerade mal nicht vor internationalem Publikum, sondern in seiner Heimatstadt spielt.
Rainer Tacke bringt seine Geige ein, wie Keyboarder Streicherklänge einsetzen schöne, schlichte Hintergrundmelodien, so verfremdet, dass sie auch klingen wie vom Keyboard. Die Potenziale seines Instruments nutzt er selten aus, sondern fügt sich ganz dem Pop-Gebot, dass Schönheit eingängig und also schlicht daherkommen muss.
Auf diese Weise kleiden Silent Radio mit Gefühl und Können die oft elektronisch geprägten Hits aus den 80ern in ein anderes instrumentales Gewand, ohne sie wirklich neu zu interpretieren. Nach einem Dutzend dieser poppigen Sahnestückchen überkommt den Rezensenten Lust auf etwas Herbes, Scharfes. Die 500 Fans im Kleinen Haus dagegen nicht. Die genießen einfach und wollen immer mehr davon.













