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14. Februar 2012
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Das Blut der anderen

Nicht sehr braunschweigisch, aber sehr gut: Der Tatort "Es wird Trauer sein und Schmerz" mit Maria Furtwängler

Von Martin Jasper

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Das Regionalkonzept der NDR-Tatorte hatte uns bei den Dreharbeiten eine gewisse Doris Heinze erklärt: Jede Region des Norden soll mal vorkommen in der populären TV-Reihe. Aber ehrlich gesagt: Dass dieser Krimi in Braunschweig spielt, ist eigentlich ziemlich egal.

Man guckt gespannt und wartet und wartet und denkt, na ja, gesagt wird ja schon, dass es in Braunschweig spielt, aber was man sieht, Straßen, Bungalows, ’ne Bäckerei, ein Polizei-Kommissariat, ein Hochhaus-Komplex, ein paar Straßen, das ist kaum typisch braunschweigisch, das könnte überall sein. Selbst die nächtliche Peiner Kohlenhalde wirkt eher wie eine dämonisch beleuchtete Kulisse.

Stadtmarketing-mäßig ist der Tatort mit dem schönen Titel "Es wird Trauer sein und Schmerz" also eher eine Null-Nummer – bis dahin.

Dann kommt die Szene, bei der man das Gefühl hat: So, jetzt löst der NDR in einem Schwenk rasch das regionale Versprechen ein und gut is. Kommissarin Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) brettert mit ihrem Auto auf die Burg Dankwarderode zu, steigt aus. Gegenüber dem Dom wohnt ein dubioser Arzt. Der wird vor der Haustür befragt. Derweil sieht man im Hintergrund die Prachtbauten am Burgplatz. Braunschweig, wie schön. Danke, das war’s.

Was aber stadtmarketing-mäßig viel stärker einschlagen könnte: Dieser Braunschweig-Krimi wird den Zuschauern auch außerhalb der Region im Gedächtnis haften bleiben – als einer der besten seit langem.

Es geht um einen Killer, der scheinbar zusammenhanglos vier Menschen in Peine, Wolfenbüttel, Braunschweig und Salzgitter mit einem Präzisionsgewehr erschießt.

Der Film unter der Regie von Friedemann Fromm entfaltet eine beklemmende Tragik. Die Toten sind schaurig schuldig gewordene Normalbürger, der Täter ein abgrundtief verstörter Moralist. Es geht um die Phrase von der Faszination des Verbrechens und die oft unerträgliche Realität des Polizei-Alltags. Es geht um tödlichen Voyeurismus und die perverse Lust am Blut der anderen.

Dieser Krimi ist spannend, bis auf wenige logische Fragwürdigkeiten raffiniert gebaut, lakonisch, herb, düster. Fast wie ein Film noir. Statt sich wie viele andere Tatorte seit Schimanski und Stoever im kollegialen Gewitzel zu ergehen, geht er mit einem zeitkritischen Furor zu Werke, der die Grenze von Schuld und Unschuld verschwimmen lässt.

Maria Furtwängler spielt die einsame Wölfin im Männer-Revier mit intensivem Minimalismus. Mit angespannter Miene, ohne eine einzige überflüssige Geste, ohne ein Wort zu viel sticht sie aus einem präzise geführten Ensemble hervor.

Einen starken Auftritt in dieser neurotisch aufgeheizten Atmosphäre hat auch der Braunschweiger Staatstheater-Schauspieler Götz van Ooyen als vermeintlicher Scharfschütze auf einer Autobahnbrücke.

Die Vorführungen im Rahmen des Braunschweig Krimifestes am Sonntag sind ausverkauft. In der ARD wird der Tatort am 15. November ausgestrahlt.

Samstag, 24.10.2009
Quelle: http://www.newsclick.de/index.jsp/artid/11153034/menuid/291584

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