Die Studenten sind sauer: "So kann es nicht weitergehen"
Bundesweiter Bildungsstreik – Audimax der TU Braunschweig seit gestern auf unbestimmte Zeit besetzt
BRAUNSCHWEIG. 50 000 Studenten, Schüler und Auszubildende sind bundesweit an Protesten beteiligt. Es geht um bessere Bildung, eine bessere Studien-Organisation – und gegen Studiengebühren.
Dienstag, 10.35 Uhr: Die Maschinenbau-Vorlesung im Audimax der Technischen Universität wird unplanmäßig beendet. Studenten besetzen den größten Hörsaal der TU auf unbestimmte Zeit und protestieren gegen die Studienbedingungen.
Die Aktion gehört zum bundesweiten Bildungsstreik. Im Audimax herrscht ein ständiges Kommen und Gehen. Im Laufe des Tages beteiligen sich in Braunschweig mehrere hundert junge Frauen und Männer an den Protesten.
"Die Bedingungen für die Lehre werden immer schlechter in Deutschland. Und die Studiengebühren sind ungerecht" , klagt Claudia Volosciuk. Die Braunschweiger Studentin spricht während des Bildungsstreiks und ist überzeugt, damit etwas zu bewirken: "Schließlich finden die Proteste europaweit statt. Die Studenten sind unzufrieden. So kann es nicht weitergehen."
Schulterschluss mit Schülern und Eltern
Gemeinsam erarbeiten die jungen Menschen im Audimax ihre Forderungen. Dabei geht es um allgemeine Probleme, die die Hochschulen betreffen, zum Beispiel die von den Studenten als unsozial eingestuften Studiengebühren.
Ein weiteres Thema ist das Bundesausbildungs-Förderungsgesetz (Bafög). Für Studenten sollte es mehr finanzielle Unterstützung geben, ein Studium nicht den Kindern reicher Eltern vorbehalten sein.
Und es geht um mehr Geld für Bildung, nicht nur in Universitäten, sondern auch in Schulen und Kindergärten. Deshalb helfen Studenten zeitgleich zur Besetzung des Audimax vor dem Braunschweiger Rathaus beim Aufbau eines Infostandes.
Hier sammelt der Stadtelternrat der Schulen Unterschriften für das Volksbegehren für eine bessere Qualität des Unterrichts. Dieses Volksbegehren ist in Braunschweig maßgeblich initiiert worden.
Anders als im Winter und Sommer, als tausende Schüler in Braunschweig auf die Straße gingen und unter anderem mehr Geld für Bildung forderten, ist der Tag gestern dem Protest der Studenten und Eltern vorbehalten. "Auf ihnen liegt der Fokus, die Schüler halten sich bewusst zurück", erklärt Mit-Initiatorin Garnet Alps, Jugendbildungsreferentin beim Deutschen Gewerkschaftsbund. Sie betont: "Es bringt immer etwas, auf Missstände aufmerksam zu machen."
Zurück im Audimax. Speziell für Braunschweig formulieren die Studenten vor allem drei Forderungen, aus eigenem Erleben wissen sie am besten, woran es hapert. Sie meinen: Die Uni-Bibliothek sollte auch sonntags geöffnet sein, um lernen zu können. Und der Bücherbestand dort müsse stark erhöht werden. Außerdem sei mehr Mitsprache der Studenten bei der Festlegung der Prüfungstermine wichtig. Diese würden oft in den Semesterferien liegen – Ferien, die viele zum Arbeiten nutzen müssten, um ihr Studium finanzieren zu können.
Zwangs-Exmatrikulationen – so viele wie noch nie
Zusätzlich weisen die Studenten auf die Schicksale von genau 105 ihrer Kommilitonen hin, die ihr Studium abbrechen mussten. "Es gibt so viele Zwangsexmatrikulationen wie noch nie", heißt es in einem Protestschreiben. Dies sei das traurige Fazit nach einem Jahr Bachlelor-Studiengang an der Fakultät für Maschinenbau.
Genau 105 Pappfiguren stehen deshalb auf den Treppenstufen des Hörsaals, alle mit einer anderen Aufschrift und der deutlichen Kritik versehen: Die Anforderungen sind zu hoch, die Studienordnung ist nicht durchdacht.
Dennis Meyer studiert an der TU Wirtschaftsingenieurwesen und ist von den Missständen ebenfalls betroffen. "Man muss in 24 Tagen sieben Klausuren schreiben und dann auf eine gewisse Punktzahl kommen", schildert der junge Mann aus Wolfsburg
Abgesehen davon, dass dies viel zu viele Prüfungen in so kurzer Zeit seien, klagt er: "Hat man nur einen halben Punkt weniger, ist man raus – und wird nicht zum Master-Studiengang zugelassen, für den es ohnehin viel zu wenig Plätze gibt."
Und was ist mit einer zweiten Chance? – "Die gibt es nicht!"











