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18. März 2010
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Plädoyer für mehr Ehrlichkeit

Markieren, kopieren, einfügen: Internetarchive ermöglichen Studenten ganz leicht das Plagiat

Von Hendrik Rasehorn

BRAUNSCHWEIG. Der geistige Diebstahl gilt längst nicht mehr als Kavaliersdelikt – und ist trotzdem an Hochschulen weit verbreitet. Internetarchive ermöglichen Studenten ganz leicht das Plagiat: Text markieren, kopieren, einfügen, fertig ist die Hausarbeit.

So wie die 24-jährige Studentin der Geisteswissenschaften. Richtig Lust hatte sie nicht zu ihrem Thema, brauchte aber den Schein. Den nahen Abgabetermin vor Augen suchte sie deshalb kurzerhand im Internet. In Hausarbeits-Archiven gab sie kurze Stichworte zu ihrem Thema ein. Aus den besten Ergebnissen kopierte sie sich dann ihren Text zusammen – und bekam ohne Probleme eine "2" vom Dozenten. Natürlich wisse sie, dass es mit dem geforderten selbstständigen wissenschaftlichen Arbeiten bei ihr nicht weit her ist. Es nerve sie aber auch, über Themen zu schreiben, die schon hunderte andere durchgekaut haben, eigene Ideen könne man da kaum noch entwickeln. "Und wer außer dem Professor und vielleicht seinem Mitarbeiter schaut sich die Arbeit denn jemals nochmal an?", fragt sie.

Eine Million Besucher

So einfach darf man sich das natürlich nicht machen. Doch nicht nur fürs Plagiat, auch zur Erweiterung des eigenen Horizonts dienen derartige Archive. Für Studenten ist der erste Anlaufpunkt meist www.hausarbeiten.de. Gründer Patrick Hammer kann stolz von über einer Million Besuchern jeden Monat berichten: "Wir sind damit das meistbesuchte Internetangebot für Studenten in Deutschland." Auf die Idee zu seinem Archiv für wissenschaftliche Arbeiten kam er, als er einst selbst für eine Hausarbeit Anregungen im Internet suchte, aber kaum Nützliches fand. 1998 ging www.hausarbeiten.de mit 30 Arbeiten online. "Unser Angebot entwickelte sich schnell zu einem Selbstläufer", sagt Hammer. Aktuell bietet das Archiv mehr als 24 000 Arbeiten aus 283 Fachbereichen größtenteils kostenlos zur Einsicht an.

Offiziell lehnen die Archivbetreiber jeden Betrug ab, warnen vor Urheberrechtsverletzungen und bieten darüber hinaus Professoren ihre Hilfe an, um Schummeleien aufzudecken. Was gut gemeint ist, wird in der Praxis aber bislang kaum genutzt: "Vielleicht ein- bis zweimal im Monat fragen Professoren bei uns an" berichtet Patrick Hammer. Nicht viel, wenn gleichzeitig eine Million Besucher und darunter gewiss nicht wenige Schummler vorbeischauen. Nur selten werden Plagiate aufgedeckt, so wie letztes Jahr an der Uni Konstanz im Falle zweier Studenten. Der eine zog zur Hälfte, der andere gleich komplett seine Diplomarbeit aus dem Internet. Auch bei den Anglisten der Technischen Universität (TU) Braunschweig gab es kürzlich den Fall einer Fälschung.

Ethische Grundsätze

Als Reaktion darauf regte der Vorstand des Englischen Seminars an, fortan jeder Arbeit eine eidesstattliche Versicherung anzuhängen. Der Deutsche Hochschulverband (DH), die Standesvertretung der Universitätslehrer, hat das Problem schon lange erkannt. Es mehren sich die Hinweise, dass ein kleiner, aber wachsender Teil der Studenten Plagiate vorlegt", so DH-Präsident Professor Dr. Hartmut Schiedermair. Eine "Resolution zur guten wissenschaftlichen Praxis" soll Professoren und Studenten an das Einhalten gewisser Grundregeln erinnern, denn "damit steht und fällt jede wissenschaftliche Qualität", so Schiedermair.

Der gleichen Meinung ist TU-Präsident Professor Dr. Jochen Litterst. "Professoren und Studenten sollten ethische Grundsätze über den Umgang mit Wissenschaft verabreden." Diese finde aber nicht im luftleeren Raum statt. "Wissenschaftliches Arbeiten heißt auch immer zu schauen, was der andere gesagt hat", so Litterst.

Dienstag, 07.01.2003
Quelle: http://www.newsclick.de/index.jsp/artid/1135077/menuid/291585

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