Der HBK-Skandal, der keiner war
Der Bachelor-Studiengang Kunstvermittlung ist gescheitert und eine Massen-Mail sorgt für Verwirrung
BRAUNSCHWEIG. "Skandal an der HBK" mit diesen Worten eröffnet der Allgemeine Studierendenausschuss (Asta) der Hochschule für Bildende Künste (HBK) am vergangenen Freitag ein Rundschreiben im Internet. Es geht an mehr als 1000 Studenten.
Auch Landtagspolitiker in Hannover und Journalisten erhalten die alarmierende Nachricht. Noch gestern Abend vier Tage später steht sie öffentlich im Internet auf der Homepage "hbk-netz" des Asta: Rund 30 Studenten der Kunstvermittlung in Braunschweig sollen um ihre Abschlüsse bangen.
Der Bachelor-Studiengang soll nicht akkreditiert sein. Das soll Probleme bei der Anerkennung des Abschlusses durch andere Hochschulen oder im Ausland geben. Schwere Vorwürfe, harter Tobak, viele Fragen. "Skandal an der HBK" was ist da wirklich los?
Unsere Campus-Redaktion hakte nach. Im Hintergrund stehen die erheblichen Probleme aller deutschen Kunsthochschulen mit der Umstellung auf die Bachelor- und Master-Abschlüsse im Zuge der Bologna-Reformen.
Sichtbar wird, wie sogar ein ambitioniertes Vorzeigeprojekt wie ausgerechnet die Kunstvermittlung der HBK in Braunschweig an einer Wirklichkeit zu scheitern droht, die selbst Fachleute resignieren lässt und Studierenden wie Öffentlichkeit kaum noch vermittelbar ist.
Es geht im Kern darum, dass im Ringen um eine exzellente Antwort auf die verkorkste Bologna-Reform das Präsidium und die Verantwortlichen der einzigen niedersächsischen Kunsthochschule und die Studenten des Bachelor-Studienganges Kunstvermittlung gemeinsam gescheitert sind.
Denn der sogenannte "polyvalente Bachelor-Studiengang Kunstvermittlung" wird auf einstimmigen Beschluss des Präsidiums der HBK vom 20. Januar geschlossen, wie unsere Zeitung gestern erfuhr.
Mehr noch: Mit dem gleichen Beschluss gewährleisten die HBK-Verantwortlichen "die Sicherstellung der auslaufenden Betreuung für die im Studiengang Kunstvermittlung mit dem Abschluss Bachelor of Arts eingeschriebenen Studierenden" und haben sich damit rechtlich festgelegt.
Das sind jene 30 Studenten, um die es jetzt geht.
Unsere Campus-Redaktion ist ein Lehrprojekt journalistischer Methoden. Zu den Grundlagen gehören die journalistische Sorgfaltspflicht und eine gründliche Arbeit im Sinne des öffentlichen Informations-Interesses, das sich bereits aus Artikel 5 des Grundgesetzes ableitet.
Ein Vorgang von möglicherweise erheblicher Tragweite, über den öffentlich geredet, diskutiert und gestritten wird, kann von Journalisten nicht ignoriert werden.
Aufgrund der Recherchen unserer Campus-Redaktion sandte der Asta der HBK gestern eine Stellungnahme: "Der Asta der HBK Braunschweig widerspricht der Behauptung, dass von ihm eine Pressemitteilung am 12.02.2010 herausgegeben wurde. Es handelt sich dabei um eine nicht autorisierte Weiterleitung von einer E-Mail."
Die Redaktion nimmt dies zur Kenntnis und bringt es hiermit auch zur Kenntnis bloß es ändert nichts daran, dass es hier einen Vorgang gibt, der der Aufklärung bedarf.
Die gestern von uns eingeholte offizielle Stellungnahme der HBK drucken wir unten auf der Seite in den wesentlichen Auszügen.
Auch die Präsidentin der HBK, Barbara Straka, war der Meinung, eine Berichterstattung solle erst nach der nächsten Sitzung am 25. Februar erfolgen, das wäre in neun Tagen.
Nun also heute schon das Ergebnis der Recherchen. Die bislang tatsächlich fehlende Akkreditierung des Bachelor-Studienganges Kunstvermittlung soll, glaubt man der Präsidentin, nur eine Formsache sein.
Auch ist es kein Braunschweiger Phänomen, dass sie noch aussteht. Tatsächlich sind bundesweit von insgesamt 164 Bachelor-Studiengängen an Kunst- und Musikhochschulen bisher nur 19 akkreditiert, wie die November-Ausgabe 2009 von "Forschung & Lehre" belegt.
Auch HBK-Sprecher Jesco Heyl legte sich gestern fest und sicherte den Studierenden unmissverständlich zu: "Der Bachelor Kunstvermittlung wird akkreditiert. In Kürze haben wir Gespräche mit den zuständigen Ministerien und der Akkreditierungsagentur, mit denen wir eine Lösung des Problems erarbeiten wollen."













