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12. Februar 2012
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Wie wär’s, wenn wir die Welt retten?

Was von der Krise zu merken ist – Hochschule für Bildende Künste nimmt Veränderungen ins Visier

Von Sibylle Haberstumpf

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BRAUNSCHWEIG. Die Zukunft sieht düster aus: Klimawandel, bankrotte Staaten, täglich neue Horrormeldungen. Krise als Dauerzustand. Dagegen müsste man mal was tun. Aber wo anfangen? Etwa bei sich selbst?

Dieser Frage ging beim Auftakt der Veranstaltung "Innovationsfoyer: Wie wir die Welt retten können" ein Experte nach: Der prominente Autor Professor Harald Welzer ("Opa war kein Nazi", "Klimakriege" u.a.) erzeugte zunächst phasenweise Weltuntergangsstimmung – spielte dann aber vor zahlreich erschienenen Zuhörern im Haus der Wissenschaft auch mögliche Rettungsszenarien durch.

Ganz im Sinne des Veranstalters, Professor Stephan Rammler vom Institut für Transportation Design der Hochschule für Bildende Künste (HBK), dessen Vortragsreihe grundlegende Veränderungsprozesse der Gegenwart ins Visier nimmt: "Wie wir als Gesellschaft reagieren, ist die Frage. Damit möchten wir die Leute mitreißen."

Das Öl, der Euro, die tägliche Katastrophe

Mitreißen ist auch die Spezialität des Referenten – Harald Welzer, Jahrgang 1958, der am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen Gedächtnisforschung betreibt und an der Universität Witten/Herdecke Sozialpsychologie lehrt, ist ein glänzender wie schonungsloser Redner:

"Vor Mexiko ereignet sich eine der größten Umweltkatastrophen unserer Zeit – und wir? Denken an den Euro."

Geschickt nimmt er sein Publikum mit, das spürt: Die Lage ist ernst – und Optimismus offenbar nur ein Mangel an Information. Problem: Wir merken die Krise zu wenig.

Trotz des Wissens um sämtliche gesellschaftliche und ökologische Desaster, ist die Lebensqualität hierzulande unfassbar gut: Unsere Autos fahren, Flugzeuge fliegen (meistens), wir haben unbegrenzten Zugriff auf Nahrung, Strom, Wasser, jedweden Luxus. Die Grundfesten unseres Lebens sind scheinbar unerschütterlich.

Und egoistisch wie wir sind, machen wir eben weiter wie bisher. Auf Dauer wird das nicht gut gehen, plädiert Welzer für eine neue politische Kultur, wenn er feststellt: "Wir haben keine politische Öffentlichkeit, keine gesellschaftliche Debatte, keine Auseinandersetzung in größerem Ausmaß".

Zur Weltrettung total ungeeignet, diese Apathie. Da hilft auch lautes Rufen nach der Politik in Krisenzeiten wenig, denn, so Welzer, "Politiker können nur so gut sein wie die Gesellschaft, die sie vertreten."

Einen weiteren Makel sieht er darin, dass bereits Kinder in der Schule "immer nur das große Ganze" aufgetischt bekämen. Motto: Klima, Welthunger, globaler Börsencrash – her mit den Lösungen!

Ein falscher Ansatz, meint der Sozialpsychologe: "Das ist so gewaltig, dass es alle Motivation raubt. Und dann tut man lieber gar nichts." Wichtig sei jedoch zu erkennen, was man lokal verändern könne. Jeder hat Handlungsspielräume, lautet Welzers Credo.

Was uns Politik als Wirklichkeit verkauft

Jeder hat Einfluss, "vielleicht nicht so groß, wie man es gerne hätte, aber trotzdem muss man ihn nutzen". Und sich möglichst nicht einlullen lassen: "Ein Herr Kauder kann mir fünfmal sagen, dass etwas alternativlos‘ ist – deswegen ist es aber noch lange nicht belegt! Die Wirklichkeit, in der wir uns befinden, ist nicht so, wie die Politik sie uns verkauft. Sie ist veränderbar."

Bei der Gelegenheit verweist Welzer auf die "Selbstwirksamkeit" jedes Einzelnen: "Menschen stellen immer wieder fest, dass sie etwas bewegen können und wollen das dann auch wiederholen."

Fazit: "Niemand von uns ist dafür zuständig, ganz allein die Welt zu retten. Sie nicht und ich nicht."

Gedankenpause. "Nur bei Professor Rammler bin ich mir da nicht so sicher!" Man darf also gespannt sein, was dieser in Sachen Weltrettung noch in petto hat …

Nächster Termin der Reihe: Donnerstag, 24. Juni, 19 Uhr im Braunschweiger Haus der Wissenschaft.

Mittwoch, 26.05.2010
Quelle: http://www.newsclick.de/index.jsp/artid/12294199/menuid/291585

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