Ostfalia bald mit 13 000 Studenten
Heute sind es 8000 Präsident Umbach im Interview: "Es handelt sich um einen Systemwechsel"
Professor Wolf-Rüdiger Umbach (64) ist seit 1995 Präsident der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften in Wolfenbüttel, Fachhochschule (FH) mit weiteren Standorten in Braunschweig, Salzgitter und Wolfsburg. Mit ihm sprach Henning Noske.
Alles spricht im Moment vom doppelten Abitur-Jahrgang 2011. Sie auch?
Ja, wir bekommen sehr viele besorgte Anfragen. Aber wir haben uns bereits seit 2007 vorbereitet. Unsere normale Aufnahmekapazität liegt bei 1700 Studenten pro Jahr. Wir haben sie bereits in diesem Jahr auf 2400 gesteigert. Und im nächsten Jahr werden es 3400 sein.
Für die jungen Leute, die sich gleich für ein Studium entscheiden, ist bei uns Vorsorge getroffen. Wir sind personell, organisatorisch und baulich bestens aufgestellt.
Wir haben uns bereits im vergangenen Jahr um 110 Mitarbeiter vergrößert, 40 davon sind Professoren und Lehrkräfte. Es sollen weitere 100 Mitarbeiter hinzukommen.
Klingt gut. Und hinterher sind Sie dann zu groß?
Nein, denn zunächst einmal ist es so, dass auch 2012 und 2013 sehr hohe Bewerberzahlen erwartet werden. Auch in den Folgejahren werden viele Studenten aus anderen Bundesländern nach Niedersachsen kommen. Es handelt sich auf lange Sicht betrachtet um einen Systemwechsel.
Das müssen Sie etwas näher erklären.
Es ist für uns eine Riesenchance, den Anteil an Fachhochschulstudienplätzen am Gesamtsystem in Niedersachsen zu steigern. Wir können jetzt sehr schöne Dinge tun, die wir schon immer vorhatten. Das ist jetzt alles möglich.
Weil Sie auch finanziell mehr Möglichkeiten erhalten?
Ja, für das Mehr an Studierenden gibt es deutlich mehr Geld vom Land. Nach dem Hochschulpakt bekommen wir vom Land und vom Bund für jeden zusätzlichen Studierenden in der Technik 7000 Euro, für jeden zusätzlichen in den Geisteswissenschaften 3500 Euro und für jeden zusätzlichen Platz im Wirtschaftsingenieurwesen 4500 Euro.
Die Universitäten haben zwar deutlich höhere Sätze, aber weniger Plätze. Denn der Hauptausbau findet bei den Fachhochschulen statt.
Was machen Sie damit?
Daraus entwickeln wir neue Studienangebote. Wir hoffen darauf und rechnen damit, dass wir vieles von dem, was wir jetzt aufbauen, bis 2020 und danach weiterführen können. Machen Sie sich klar: Wir steigern unsere Studentenzahl von jetzt 8000 auf über 13 000 bis 2014. Und dann entscheidet die Politik, wieviel wir davon behalten können.
Wo kommen diese zusätzlichen Studenten her?
Einerseits kommen sie durchaus aus den sogenannten bildungsferneren Schichten, was ja auch ein erklärtes Ziel der Politik ist. Andererseits gibt es jetzt das Prinzip der offenen Hochschule. Wer eine Berufsausbildung hat und seinen Beruf zwei Jahre lang ausübt, kann an die Hochschule gehen.
Das sind häufig Leute, die zu uns kommen. Aus ganz verschiedenen Gründen wird derzeit das Fachhochschulsystem von allen Seiten gestärkt.
Im Moment beträgt der Fachhochschulanteil in Niedersachsen 30 Prozent, in anderen Ländern bereits 50 Prozent. Ich gehe davon aus, dass die neue niedersächsische Wissenschaftsministerin Johanna Wanka dies auch anstrebt.
Und wenn dann die zusätzlichen Studenten gar nicht zu Ihnen kommen wollen?
Gehen Sie mal nicht davon aus. Wir haben hier in jedem Jahr ein Vielfaches an Bewerbern gegenüber freien Plätzen. Das wird nun gerade im nächsten Jahr nicht anders sein. Wir haben in vielen Studiengängen bis zu 70 Prozent Abiturienten. Allein in diesem Jahr werden es zum Wintersemester wieder 10 000 Bewerber sein. Davon lassen wir 2000 zu.
Gibt es einen Konkurrenzkampf zwischen Fachhochschulen und Universitäten?
Nein, denn sie haben einen anderen Bildungsauftrag.
Das ist die Theorie.
Also, mit dem Präsidenten der TU Braunschweig verstehe ich mich blendend. Wir sehen uns nicht als Konkurrenten. Ich sehe nur, dass wir immer deutlicher auf die TU Braunschweig zugehen. Die hatten mal 19 000 Studenten und wir hatten 2800, als ich hier angefangen habe. Jetzt gehen wir in Richtung 13 000 und die TU ist im Augenblick bei 13 000, geht wohl auf 15 000.
Da sind wir ja ganz schön dicht beieinander, also auf Augenhöhe, wie man so sagt.













