"Dies ist der Anfang eines großen Abenteuers"
Der Start ist geglückt, alle Systeme funktionieren: Jetzt dauert es zehn Jahre bis zur Landung auf Churyumov-Gerasimenko
BRAUNSCHWEIG. Alles läuft wie am Schnürchen: Das europäische Raumfahrtkontrollzentrum in Darmstadt hat Kontakt zum Rosetta-Lander Philae Stromversorgung, Bordrechner, Temperaturregelung und Datenübertragung funktionieren.
"Unser Baby ist damit endgültig bestens vorbereitet für die zehnjährige Reise durch unser Sonnensystem", erklärte Professor Berndt Feuerbacher vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). "Die kritischen Phasen haben wir perfekt gemeistert und stehen jetzt am Anfang eines großen Abenteuers", sagte der Technische Leiter der Europäischen Weltraumagentur (ESA), Gaele Winters, in Darmstadt.
Am Ende dieses Abenteuers soll 2014 nach Schwungholmanövern an Mars und Erde erstmals die Landung auf einem Kometen erfolgen. Erreicht wird Churyumov-Gerasimenko an einem sonnenfernen Punkt. Wenn der Komet beim Anflug auf die Sonne förmlich erwacht, soll Rosetta-Lander Philae huckepack "an Bord" sein.
Deutschland ist bei Rosetta die wichtigste europäische Nation. "An dieser Mission zeigt sich, welche Spitzenstellung die deutsche Wissenschaft und Industrie bei den anspruchsvollen Weltraummissionen hat", sagt der DLR-Vorstandsvorsitzende Professor Sigmar Wittig.
Der in wichtigen Teilen in Braunschweig beim DLR-Institut für Strukturmechanik gebaute Lander Philae ist der spektakulärste deutsche Beitrag zu dieser Mission.
Er geht zurück auf eine Initiative von Dr. Helmut Rosenbauer vom Max-Planck-Institut für Aeronomie in Katlenburg-Lindau am Harz und Professor Berndt Feuerbacher vom DLR-Institut für Raumsimulation in Köln-Porz. Feuerbacher: "Die Rosetta-Mission ist nicht nur eine der aufregendsten Missionen der Raumfahrt, sondern auch wissenschaftlich von höchster Relevanz."
Philae ist ein High-Tech-Würfel mit einer Kantenlänge von einem Meter. Ein für die Tests eingesetztes Original-Modell im Maßstab 1:1 steht im Braunschweigischen Landesmuseum.
Hauptaufgabe ist die Analyse des Kometenmaterials, des ursprünglichsten und ältesten Materials, das es im Sonnensystem gibt. Es könnte Aufschluss darüber geben, ob das Leben mit Kometeneinschlägen auf die Erde kam. Daneben stehen Wechselwirkungen zwischen dem Kometen und dem Sonnenwind im Blickpunkt. Entstehung und Abtrennung des Kometenschweifes gilt dabei ein besonderes Augenmerk.
Grundlegende Daten erhielt die gesamte Mission durch Rechnersimulationen, die vom Institut für Theoretische Physik der TU Braunschweig unter der Leitung von Professor Dr. Uwe Motschmann beigesteuert wurden.
Wichtige Beiträge lieferte das Institut für Datentechnik und Kommunikationsnetze (IDA) der TU Braunschweig mit einem Instrumentenrechner für das Massenspektrometer Rosina, das die flüchtigen Bestandteile des Kometen analysieren soll. Für das Auge der Rosetta-Sonde, die Multifunktionskamera Osiris, hat das IDA ebenfalls Beiträge zum Rechner geliefert.
Das Institut für Geophysik und Meteorologie der TU Braunschweig steuerte Magnetometer für Orbiter und Lander bei.
Ein Novum: Mit Philae wurde erstmals ein weltraumtaugliches Gerät nicht von der Industrie, sondern komplett von wissenschaftlichen Einrichtungen gefertigt. Die Projektleitung für das internationale Konsortium lag beim DLR in Köln, wo auch das Lander-Kontrollzentrum betrieben wird.
Am Lander-System beteiligt: DLR (Köln, Braunschweig), Max-Planck-Institute (Lindau, Garching), CNES (Paris), ASI (Rom), KFKI (Budapest), STIL (Dublin). FMI (Helsinki), BNSC (London), IWF (Graz).
Lander-Instrumente: DLR (Köln, Berlin), Max-Planck-Institute (Lindau, Mainz, Garching), Technische Universität Braunschweig, Uni Münster, IAS (Orsay, Frankreich), CEPHAG (Grenoble, Frankreich), Open University (Milton Keynes, Großbritannien), KFKI (Budapest), Politechnico di Milano (Mailand).













