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12. Februar 2012
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Braunschweiger Physik vor dem Aus

TU-Präsident: Braunschweig, Clausthal und Hannover kooperieren – oder sie sind chancenlos

Von Henning Noske

Manchmal möchte der Braunschweiger TU-Präsident Jürgen Hesselbach schon verzweifeln. Wollen die ihn alle nicht verstehen? "Ich bin doch kein durchgeknallter Maschinenbau-Professor, der jetzt einfach die Physik schließen will", entfährt es ihm.

Kriegt man denn nicht mit, was da außerhalb Niedersachsens passiert? Der nahezu totale Triumph des Südens in der Exzellenz-Initiative. Der Zusammenschluss der Hochschulen in Bochum, Dortmund und Duisburg-Essen zur "Universitäts-Allianz Metropole Ruhr".

Bremen und Oldenburg stellen sich gemeinsam auf. Freiberg, Chemnitz und Dresden bilden ein TU-Dreieck.

"Tante-Emma-Laden"

Hesselbach schüttelt den Kopf: "Und wir gegen Clausthal. Wir gegen Hannover – mit einem solchen Denken haben wir heute keine Chance mehr."

Seit 1992, rechnet er vor, hat die TU Braunschweig gleich mehrere Kürzungs- und Sparwellen einstecken müssen. Mittlerweile hat die ehrwürdige Carolo Wilhelmina gerade noch einen Professor für Philosophie, einen für Musik, einen für Sport, einen für ...

"Wir können jetzt weitermachen wie ein Tante-Emma-Laden", sagt Hesselbach. "Oder wir versuchen, in Niedersachsen ein gut sortiertes Fachgeschäft zu werden. Und das geht nur mit Kooperation."

Der Braunschweiger Physik-Professor Jürgen Blum vom Institut für Geophysik und Extraterrestrische Physik ist in diesen Tagen um seine Aufgabe nicht zu beneiden.

Beim Tag der offenen Tür im Physik-Zentrum war der Andrang kürzlich groß. Doch neben dem Interesse an der Planeten-Entstehung trieb die angehenden Physik-Studenten vor allem eine Frage um: Kann man das künftig überhaupt noch in Braunschweig studieren?

Unter dem Dach der neuen Niedersächsischen Technischen Hochschule (NTH) soll es zu einem ersten Abgleich kommen: Die Braunschweiger Physik wechselt nach Hannover, im Gegenzug kommen Hannovers Bau-Ingenieure nach Braunschweig. Und die sind deshalb auf Braunschweig auch gar nicht gut zu sprechen. Wer möchte, kann sich im Internet sogar ihren eigens komponierten Protest-Song anhören: "Warum habt ihr uns das angetan? Ihr wollt uns abschaffen, das ist jetzt klar. Für das Kürzungsprogramm namens NTH."

In Richtung Braunschweig reimen Hannovers Bau-Ingenieure: "Ihr seid wohl auf unsere Professuren scharf. An denen sich bald jeder frei bedienen darf." Auch der Refrain hat es in sich: "Doch eines Tages wird es sich rächen. Niedersachsens Bauindustrie wird einbrechen."

So schlimm wird es vermutlich nicht. Deutlich wird jedoch, dass für die NTH auch in der Landeshauptstadt noch kräftig Überzeugungsarbeit geleistet werden muss.

Hannovers Uni-Präsident Prof. Erich Barke sah sich kürzlich in einer Senats-Sitzung einer geradezu feindseligen Stimmung ausgesetzt.

Das Protokoll notiert: "Als ein Professor die Meinung einbringt, dass mit der zurückhaltenden Reaktion des Präsidenten auf die Braunschweiger Offensive der Bauingenieur-Studiengang in Hannover zum Abschuss freigegeben sei, applaudiert die Menge im überfüllten Senats-Sitzungssaal." Vermutlich sind dies alles Indizien für den absoluten Ernst der Lage.

Denn ähnlich schlecht behandelt fühlt sich auch die Physik in Braunschweig. "Es gibt keinerlei Beschlüsse, nur die Absicht des Präsidenten", sagt Dekan Prof. Andreas Hangleiter.

"Fehlleitung der Mittel"

Es ist kein Geheimnis, dass der Braunschweiger Präsident Jürgen Hesselbach ein Motor der NTH-Entwicklung ist. Vom Naturell her eher ein Macher denn ein Zauderer, sind ihm Stillstand und Mittelmaß zuwider.

Hesselbach macht klar, dass jetzt die Zeit der Entscheidungen gekommen ist. Er sieht sich und die Politik auch unter dem Druck des Landesrechnungshofes. Die Braunschweiger Physik etwa ist zu weniger als 50 Prozent ausgelastet. Es kommen einfach zu wenig Studenten.

Die Prüfer schreiben den Akteuren ins Stammbuch: "Dies deutet auf Strukturmängel hin, die öffentliche Mittel fehlleitet." Für Hesselbach heißt dies: "Es hilft alles nichts, aber diese Fehlleitung der Mittel muss ich abstellen."

Donnerstag, 12.04.2007
Quelle: http://www.newsclick.de/index.jsp/artid/6623218/menuid/291585

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