Wenn dich die Muse küsst - Gebühren
Das Beste draus machen: An der HBK glaubt man nicht mehr an eine Abschaffung der Studien-Beiträge
500 Euro mehr pro Semester müssen Studenten in Niedersachsen seit 2006 an ihre Hochschule zahlen. Die so genannten Studiengebühren werden auch an der Braunschweiger Hochschule für Bildende Künste (HBK) erhoben. Sie ist eine von wenigen Kunsthochschulen in Deutschland, an denen man derart zur Kasse gebeten wird.
Während die Einführung von Studienbeiträgen, wie es offiziell heißt, von Kultusminister Lutz Stratmann als "einmaliger Erfolg" gefeiert wird, fragt man sich an der HBK, wie die Kunstfreiheit ein verfassungsmäßiges Grundrecht mit Gebühren zu vereinbaren ist. Einengung des künstlerischen Gestaltungsraums und soziale Ungerechtigkeit reichen als juristische Argumente nicht aus, sich gegen die Studiengebühren zur Wehr zu setzen.
An der Hochschule glaubt niemand mehr an eine Abschaffung der Studiengebühren. Auch eine Ausnahme für die einzige Kunsthochschule des Landes zu erstreiten, scheint aussichtslos. Bertram Schmidt, Student an der HBK, bereitet dennoch eine Klage gegen Studiengebühren vor. Finanzielle Unterstützung wurde ihm vom Studierendenparlament verwehrt. Ein Erfolg der Klage sei unwahrscheinlich, hieß es im Ablehnungsbescheid.
"Die Studenten haben sich mehrheitlich gegen Studiengebühren ausgesprochen, doch solange es sich um rechtsgültige Vorgaben des Landes handelt, streiten wir für die sinnvolle Verwendung", sagt Eike Carstens, Mitglied des Studierenden-Parlaments der HBK.
Carstens setzt sich mit anderen für mehr Stellen für studentische Mitarbeiter, längere Bibliotheksöffnungszeiten und die Förderung studentischer Projekte aus Studiengebühren ein. "Wir sind bestrebt, Studien-Finanzierungsmöglichkeiten und die allgemeinen Bedingungen zu verbessern" so Carstens.
Im vergangenen Jahr suchte die Hochschule nach Möglichkeiten, die Gebühren an die Studenten zurückzuführen. Die Leitung plante, umfangreiche Stipendien zu vergeben. Doch eine Vollversammlung sprach sich dagegen aus: "Dem Studenten stellt sich die Frage, wofür er eigentlich arbeiten geht, wenn er durch die Studienbeiträge statt der Verbesserung seines Studiums ausgewählte Kommilitonen finanziert", begründet Studierendenvertreter Andi Weich die Ablehnung der Stipendien.
Stattdessen konnte sich eine Studienabschlussförderung durchsetzen: Wer bei Abschluss seines Studiums eine gute Gesamtnote schafft, erhält eine Förderung von 300 bis 500 Euro.
In Zusammenarbeit zwischen Studenten, Lehrenden und Hochschulleitung wird die Verwendung der Mehreinnahmen durch die Gebühren geplant. So wurden Info-Materialien und Werbeveranstaltungen aus Studiengebühren gezahlt. Aber auch die Ausstattung wurde verbessert; fast 30 000 Euro wurden im vergangen Semester in die Renovierung des Zeichensaals an der Broitzemer Straße investiert. Ein Onlineshop und das Projektbüro "Für und Mit" wurden ebenfalls aus Studiengebühren finanziert. Tutoren und Mitarbeiterstellen konnten neu geschaffen werden, außerdem können sich die Künstler mehr Materialkosten erstatten lassen.
Die Bewerberzahlen, gerade in dem Vorzeigefach der HBK, der Freien Kunst, gingen im letzten Jahr deutlich zurück: Während im Wintersemester 2006 noch 39 Freie Künstler ein Studium an der HBK aufnahmen, gab es im laufenden Semester nur 21 Neuzugänge.
Shantala Fels, studentische Vertreterin in der Studienkommission, sieht einen Zusammenhang zwischen dem Rückgang der Studierendenzahlen und den Gebühren: "Natürlich entscheiden sich Studierende die an mehreren Kunsthochschulen angenommen werden, eher für ein gebührenfreies Studium, also gegen die HBK."
Campus-Mitarbeiter Robert Schulz studiert Medienwissenschaften und Anglistik im 3. Semester und ist 20 Jahre alt.













