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06. September 2010
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"Trüffelschweine" auf Jobsuche

Kontakte sind wichtiger als Stellenanzeigen – Ein Seminar nach US-Vorbild lehrt, wie man diese aufbaut

Von Annette Zellner

Nur jeder Dritte hat seinen Arbeitsplatz über eine Stellenanzeige gefunden. Was bei der Jobsuche mehr zählt, sind Kontakte. Deshalb macht der Berufstrainer John Webb aus seinen Seminarteilnehmern "Trüffelschweine".

Damit sie über selbst geschaffene Beziehungen Jobs erschnüffeln, die gar nicht erst ausgeschrieben werden. Webb ist einer der Wenigen in Deutschland, die nach der Methode "Life/Work Planning" (LWP) des US-Arbeitsforschers Richard Bolles arbeiten. Jeden Samstag Zeitungen kaufen, nach irgendwie passenden Anzeigen fahnden und dann im stillen Kämmerlein Bewerbungen schreiben – davon hält der in Chicago geborene Webb nichts. In seinen Seminaren geht es nicht darum, jemandem die Kunst des Bewerbens beizubringen. Stattdessen soll er sich erstmal fragen: "Was will ich in meinen Leben erreichen, wofür will ich mich einsetzen?"

Die einzelne Person und ihre Fähigkeiten stünden im Mittelpunkt, sagt Webb. Nicht der Arbeitsmarkt oder der Arbeitgeber. "Die Leute erarbeiten ihre beruflichen Alternativen selbst, dafür biete ich die Struktur." Diese Methode braucht Zeit: 16 Tage dauert ein LWP-Seminar bei Webb. Es findet bundesweit statt und wurde bereits von Arbeitsämtern gefördert.

Drei Fragen sollen im Seminar beantwortet werden: Was will ich machen, wo will ich es tun, und wie komme ich an diesen Job? Die Antwort auf die Frage nach dem "Was" ist zuerst eine biografische Arbeit, so Webb. Die Menschen sollen sich auf die Tätigkeiten besinnen, die sie gerne machen – seit ihrer Kindheit. Sind sie zum Beispiel handwerklich geschickt oder lesen sie gerne, haben sie lieber mit Informationen zu tun? Reden sie gerne?

"Am Anfang ist es für die Teilnehmer schwer, nichts Berufsrelevantes zu erzählen", sagt Webb. Manche seien pessimistisch, anderen ginge alles zu langsam. Doch schließlich wachse das Vertrauen. Die Frage nach dem "Wo" der Arbeit bezieht sich auf die Umgebung der Tätigkeit: Will ich Ruhe haben oder mit anderen zusammenarbeiten – und wie sollen die dann sein? Möchte ich in einem Büro sitzen?

Mitarbeiter befragen

Wenn das "Was" und das "Wo" geklärt sind, sollen die Seminaristen eine sehr konkrete Vorstellung von ihren Interessen und Wünschen haben. Leicht zu verwirklichen muss diese nicht sein. Aber so schön, "dass sie bereit sind, dafür ungewöhnliche Wege zu gehen", sagt Webb. Hartnäckigkeit und Mut sind nun gefragt. Denn im Seminar folgt jetzt das "Wie" – wie also komme ich an diesen Job?

Die Teilnehmer suchen sich zum Üben erstmal für sie uninteressante Unternehmen aus und gehen ohne Termin vorbei, fragen Mitarbeiter, ob sie zehn Minuten Zeit haben und ihnen von ihrer Arbeit erzählen können. Nach dieser Etappe wird es ernst: Die Jobsuchenden gehen zu Mitarbeitern von Unternehmen, in denen es ihren Traumjob geben könnte. Webb weiß aus zwölfjähriger Erfahrung: "Mehr als 80 Prozent der Angesprochenen sind bereit, ein Gespräch zu führen." Die meisten Menschen sprechen nämlich gerne über sich – denn die Seminarteilnehmer betonen nicht die Stellensuche, sondern ihre Neugier nach der Art der Tätigkeit. Von ihrem Gesprächspartner lassen sie sich weitere Kontaktpersonen nennen. So wächst ein Beziehungsnetzwerk.

Webb verspricht: "Nach zwei, drei Tagen entsteht Routine." Zudem komme es nicht auf Redegewandtheit an, sondern auf das echte Interesse. Nach Ende des Seminars geht’s für die Teilnehmer weiter. "Jeder tut, was er will", sagt Webb. "86 Prozent finden innerhalb eines Jahres einen Job, der ihren Vorstellungen entspricht", sagt er. Ein Viertel davon mache sich selbstständig.

Viel über sich erfahren

Zuversichtlich ist auch Maschinenbau-Ingenieur Jens Rolle, dass er einen passenden Job findet. "Ich war von dem Seminar begeistert", sagt der Bremer, "man erfährt eine Menge über sich selbst, entdeckt vergessene Interessen wieder. So will Rolle nun seine Hobbys Kochen und Fliegen in die Jobsuche einbinden. Er kann sich vorstellen, ein Catering-Unternehmen zu leiten, oder bei einem Flugzeug- oder Küchenhersteller zu arbeiten.

Nicht ganz so positiv gestimmt ist ein BWL-Absolvent, der an seinem jetzigen Arbeitsplatz unzufrieden ist. In Webbs Seminar hat er herausgefunden, dass ihn Technik und Umwelt weitaus mehr interessieren. Er wisse aber nicht, wie er das nun verbinden solle. Außerdem sei das Führen der Gespräche bei einem Vollzeitjob schwierig. Doch ein wenig Optimismus gönnt er sich durchaus: "Vielleicht tut sich doch eine Schnittstellenposition auf." Das Seminar sei jedenfalls gut gewesen, er habe viel über sich erfahren.

Weitere Informationen im Internet: www.learn-line.de/angebote/lwp ,www.karriere-management.de.

Buchtipp: Richard Nelson Bolles, "Durchstarten zum Traumjob", Campus-Verlag, 21,50 Euro.

Samstag, 02.08.2003
Quelle: http://www.newsclick.de/index.jsp/artid/1873088/menuid/291621

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