Die sanfte Kraft der Reggae-Bässe
"Gemeinsam für Afrika" Zwei Dutzend Sänger und Bands spielten in Braunschweig vor knapp 1000 Fans
Die großen Namen, die Zugnummern haben gefehlt bei der dritten Auflage des Reggae-Nation-Benefiz-Festivals. Vermutlich deshalb verteilten sich am Samstag knapp 1000 Besucher recht luftig über die weiten Liegewiesen des Kennelbads im Braunschweiger Süden.
Bis die Sonne unterging, animierten dröhnende Bässe und das Wortgeprassel im Halbstundentakt wechselnder Ragga- und Reggae-Sänger nur eine überschaubare Schar leicht beschürzter Fans zum Hüftwackeln. Der Rest, darunter nicht wenige Kinder, tummelte sich im braunen Kennelwasser oder träumte sich lang ausgestreckt nach Jamaika.
Nur wenige Besucher schauten am "Gemeinsam für Afrika"-Stand vorbei. Dort informierte Stephan Liebner vom Missionswerk der evangelischen Kirchen Niedersachsens über die Kampagne, zu der sich rund 30 Hilfsorganisationen zusammengeschlossen haben, um vereint für ihre Projekte zu werben.
Im vergangenen Jahr hatte sich der 24-jährige Festival-Organisator Steven Tümler noch über 1500 Fans gefreut, die rund 4000 Euro Erlös für die "Gemeinsam"-Kampagne brachten. Damals hatte er die Hitparadenstürmer Culcha Candela für einen kostenlosen Auftritt in Braunschweig gewinnen können.
Diesmal hatte ihm der als Topstar geplante, deutsch-afrikanische Hip-Hoper D-Flame noch kurzfristig abgesagt. "Sein Management sagte, er sei für einen Kurzurlaub nach Marokko geflogen und habe den Rückflug verpasst. Ihr wisst, was davon zu halten ist", machte der Berliner Moderator Sirapanther alias Siamak Sharafi aus seiner Enttäuschung keinen Hehl. Jenseits der Reggae-Szene arbeitet er als Arzt und unterstützt mit der Gruppe "Ärzte mit Herz" Drittweltprojekte.
Für D-Flame war Benjie eingesprungen. Ein großer Hannoveraner mit lockerem Mundwerk und einem Kumpel hinterm Plattenteller, der Basslinien wie sanfte Stromstöße in die Beine des Publikum sandte. Das strömte nun, angelockt vom elektrischen Lichtzauber, aus der Dämmerung vor die Bühne. Aus Benjie sprudelte ein unaufhörlicher Textfluss von etwa dieser Art: "Ich sing euch diesen neuen Song, der gar nichts sagen will, ich lade euch nur ein zu wonnigem Gechill."
Dancehall nennt man den Stil, vor dem man entweder wegläuft oder auf den man sich ein- und gehenlässt. Wie die kleine Kinderschar, die auf der Bühne mittanzen durfte. Ein rührender Anblick. "Das ist kein Kommerz hier, wie ihr seht, bezahlte Schönheiten brauchen wir nicht, diese Sistas sind viel niedlicher", trommelte "Sirapanther".
Herzlichen Applaus gab es auch für rund 30 Bilder, die Kinder im Workshop-Zelt zum Thema Afrika gemalt hatten. Andere gut gemeinte Workshops, Trommeln und Rappen, fanden nur wenige Teilnehmer.
Höhepunkt des Tages mit diversen DJs, Livebands und zwei Dutzend Sängern, die alle zum Reisekostenpreis spielten, war der Auftritt der jungen kolumbianischen Band Profetas. Sängerin Antombo, eine toll anzusehende Tanzgazelle, und ihr Partner Pablo Fortaleza legten zu Live-Schlagzeug und -Gitarre eine mitreißende Show hin.
Mit gedrosselter Lautstärke und traditionellem Reggae von MacoRas, einem Neu-Braunschweiger aus Nigeria, klang das Festival aus.













