"Wir müssen den Opfern und auch den Helfern helfen"
Aktionstag für Zivilcourage – Diese Bürger taten Gutes
Zwei Jugendliche prügelten 2009 einen 50-jährigen Münchner zu Tode, der Kindern helfen wollte. Schauen künftig aus purer Angst noch mehr Bürger weg, wenn Mitmenschen in Not sind? Im Gegenteil: Beim Aktionstag für Zivilcourage zeigen heute Polizei, Verkehrsbetriebe, Schulen, Vereine, wie man sich vorbereiten kann. Menschen aus der Region, die schon geholfen haben, rufen zu mehr Zivilcourage auf. Mit ihnen sprach Uwe Hildebrandt.
Nejat Üsküplü (46) aus dem Landkreis Peine, Schlosser bei VW, zog 2008 auf der A 2 drei Menschen aus einem brennenden Bus und rettete ihnen so das Leben. Andere gafften nur und fuhren weiter.
"Menschen in Not zu helfen, ist für mich etwas ganz Normales. Keiner darf wegschauen. Allerdings wurde mir erst später klar, dass ich in dem brennenden Fahrzeug auch mein Leben riskiert hatte. Jeder, der hilft, muss die Situation einschätzen. Ich würde das jederzeit wieder tun."
Sebastian Wieczorek (26) aus Herzberg am Harz wollte 2007
auf dem örtlichen Schützenfest einen Streit schlichten. Er wurde selbst
attackiert, unter den Folgen leidet er noch heute.
"Natürlich sollte man Folgen, wie sie bei mir auftreten, vermeiden. Deshalb
ist es besonders wichtig, dass man nicht nur zuschaut, wenn ein anderer hilft.
Man muss ihn unterstützen. Zu mehreren hat man die besten Chancen, Schlimmeres
zu verhindern."
Britta Natzke (39), Seniorenbegleiterin aus Wolfenbüttel,
verfolgte mit zwei Pfadfinderinnen einen Einbrecher, der mit dem Tresor der
Kirchengemeinde und dem Laptop des Pfarrers floh. Er wurde gefasst.
"Ich war überrascht, als plötzlich ein Einbrecher vor mir stand. Als er geflüchtet ist, bin ich hinterher. Alleine hätte ich es nicht geschafft, aber weil wir zu mehreren waren, war es erfolgreich. Ich kann nur alle dazu aufrufen, Opfern und auch anderen Helfern zu helfen."
Thomas Mietzner (43) aus Schladen, Angestellter der
Salzgitter AG, zog einen Mann an Land, der in der Oker trieb. Andere schauten
zu.
"Die anderen standen da und taten nichts. Ich bin aber bei der Feuerwehr und Zivilcourage ist für mich etwas Selbstverständliches. Ich finde, dass Menschen, die anderen in Not nicht helfen, bestraft werden sollten."
Regina (53) und Uwe Alfred (46) Gainowski aus Peine retteten
im Oktober einem Mann das Leben, der sich im Auto vergasen wollte.
Es war eigenartig, die Autoscheibe einzuschlagen, um den Mann zu retten – aber es gab keine Alternative", sagt Uwe Alfred Gainowski. "Es ist ein sehr gutes Gefühl, zu wissen, dass man ein Menschenleben gerettet hat."













