"Beteiligte beißen sich oft fest"
Schlichter Holger Kuhlmann erklärt, wie er Streitenden aus der Krise hilft
Wenn ein Streit eskaliert und einer der Beteiligten eine Zivilklage eingereicht hat, ist Holger Kuhlmann gefragt. Der Direktor des Amtsgerichts Wolfsburg führt sogenannte Mediationsgespräche, Vermittlungsgespräche, an deren Ende sich die Streithähne auf einen Vergleich einigen. Mit dem 49-Jährigen sprach unsere Redakteurin Birte Probst.
Warum endet der Streit über vermeintliche Nichtigkeiten so oft vor Gericht?
Die Beteiligten haben sich an einem Streitthema festgebissen. Einem klassischen Nachbarschaftsstreit geht erstaunlicherweise meist ein sehr gutes Verhältnis der Beteiligten voran. Nach einem für Außenstehende nichtigem Grund wie das Zurückschneiden einer Hecke geht der Streit heftig los ich vermute, dass oft vorherige Verletzungen oder Enttäuschungen der eigentliche Anlass für den Streit sind. Je besser sich die Nachbarn vorher verstanden haben, desto heftiger ist die Auseinandersetzung später vor Gericht.
Welchen Eindruck haben Sie wollen sich viele Streithähne gar nicht einigen?
Diesen Eindruck habe ich nicht. Ich erlebe gerade das Gegenteil. Immer mehr Menschen lassen sich auf ein Gütegespräch ein. Diejenigen, die zu mir kommen, haben ja ihre Bereitschaft zu einer Einigung bereits erklärt. Häufig sprechen die Parteien schlichtweg eine unterschiedliche Sprache der eine sagt etwas und meint es nicht böse, der andere empfindet die Aussage aber als Herablassung. Der Mediator kann Missverständnisse aufklären.
Warum können die Beteiligten ihre Probleme nicht alleine lösen?
Der Vermittler stellt Spielregeln auf und sorgt dafür, dass alle Beteiligten gleichmäßig zu Wort kommen. Wenn es mal lauter wird, beruhigt er und bietet etwa einen weiteren Kaffee an. Dadurch können vermeintlich unlösbare Streitereien gelöst werden.
Es folgt ein Vergleich, ohne dass es zu einem weiteren Gerichtsverfahren kommt in 90 Prozent der Fälle haben sich die Beteiligten endgültig geeinigt! Gerade bei Nachbarschafts-Streitigkeiten ist es wichtig, dass die Parteien nicht das Gefühl haben, als Verlierer aus dem Gespräch herausgegangen zu sein.
Welcher ist der schlimmste Fall, den Sie je erlebt haben?
Ich bin mittendrin. Nach einem 6-Stunden-Gespräch kam ein Vergleich zustande, doch nach kurzer Zeit haben die Beteiligten wieder über den Inhalt des Vergleichs gestritten. Glücklicherweise wollen sie sich nun nochmals auf ein Mediationsgespräch einlassen.
Bevor ich einen Fall aufgeben würde, weil er aussichtslos erscheint, bitte ich die Parteien zu getrennten Gesprächen. Das hilft oft.













