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09. Februar 2012
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"Ich werde auch lieber gelobt, aber ich ducke nicht weg"

Der Minister verteidigt in Braunschweig seinen Sparkurs, aber die Studenten wollen ihm nicht mehr zuhören

Von Holger Isermann, Liane Killmann und Anne Papenfuß

Gespannte Lage an der TU. Bewachte Türen und starkes Polizeiaufgebot – das Institut für Werkzeugmaschinen und Fertigungstechnik (IWF) war gestern Mittag hermetisch abgeriegelt. Wissenschaftsminister Lutz Stratmann (CDU) absolvierte seinen Antrittsbesuch an der TU Braunschweig.

Diese Gelegenheit nutzten rund 300 Studierende, um lautstark gegen die Kürzungen des Landes im Hochschulbereich zu protestieren. Ausgerüstet mit Trillerpfeifen, Rasseln und Megaphon belagerten sie das Institut, welches zur Tour Stratmanns gehörte. Hier fand auch das Pressegespräch statt, zu dem Minister und TU geladen hatten. Die Campus-Redaktion sprach dort mit Lutz Stratmann. Thema Nummer eins: Das so genannte Hochschuloptimierungskonzept (HOK).

Während Stratmann in der Werkshalle um Verständnis für die Sparpolitik bat, weil alle ihren Beitrag zum Abbau der Staatsverschuldung leisten müssten, zeigten die Studierenden draußen mehr als deutlich, was sie vom HOK halten. Durch andauerndes Hämmern an die Hallenwände verwandelten sie das Institut in einen Hexenkessel. Stratmanns Auswärtsspiel – ein schwerer Gang für den Wissenschaftsminister.

"Manchmal würde ich auch gern da draußen trommeln", gestand Prof. Dr. Jürgen Hesselbach, Vizepräsident für Forschung an der TU. "Wir sind an einem Punkt, wo jede weitere Kürzung an die Knochen geht, nicht mehr nur ans Fleisch".

Stratmann dagegen versicherte, dass nach der Sparrunde 2005 in dieser Legislaturperiode keine weiteren Kürzungen auf die Universitäten zukommen werden. Ein Zukunftsvertrag soll dies gewährleisten.

Die von den Ländern geforderten Semestergebühren von bis zu 500 Euro sieht er in greifbarer Nähe. "Ich rechne damit, dass sie kommen und halte sie für ein sinnvolles Lenkungsinstrument." Unbedingte Voraussetzung seien dabei funktionierende Kreditmodelle. Und Stratmann betont: "Die Gebühren müssen ausschließlich den Hochschulen zukommen."

"Ich habe es auch lieber, gelobt zu werden, aber ich habe mich gestellt und ducke mich nicht weg", kommentierte Stratmann seinen Braunschweig-Aufenthalt. Dies hatte er am Vormittag auf dem Forumsplatz der TU bewiesen. Mit dem Megaphon des TU-Astas, dem Initiator des Protestes, versuchte der Minister sich Gehör zu verschaffen. Zu einem konstruktiven Austausch kam es nicht. Schon nach den ersten Sätzen übertönte ihn das Pfeifkonzert.

Zuvor war es vor dem Präsidialbüro zu einem Zwischenfall gekommen. "Es gab kein Aggressionspotenzial. Doch die Sicherheitsbeamten haben die Protestierenden ohne Rücksicht und mit großer Geschwindigkeit zu Seite geschoben", erklärt Dorothee Flachsbart, Studentin des Höheren Lehramts. Dabei sei Minister Stratmann im Gedränge über ein Transparent gestolpert. TU-Präsident Jochen Litterst machte deutlich, aus seiner Sicht habe es keine Tumulte gegeben. Es sei falsch, nur davon zu sprechen. Der TU sei es gestern vielmehr gelungen, dem Minister ihre Bedeutung für die Wirtschaft der Region deutlich zu machen.

Sönke Volkmann, Sprecher des TU-Astas betonte: "Wir wollten Präsenz zeigen und den Minister auf seiner Tour begleiten. Gewalt wird für uns nie ein Argument sein." Der Wissenschaftsminister brach seine Tour nach der Pressekonferenz vorzeitig ab. Angesichts der angespannten Lage geriet der eigentliche Grund seines Besuchs in den Hintergrund. Vielleicht war der Zeitpunkt dafür unglücklich gewählt. Mit so massiven Protesten hatte offensichtlich niemand gerechnet.

Die Autoren sind Mitarbeiter der Campus-Redaktion unserer Zeitung.

Donnerstag, 27.11.2003
Quelle: http://www.newsclick.de/index.jsp/artid/2245290/menuid/472005

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