"Wer nicht dazu passt, hat Pech"
Extremismus-Experte: NPD denkt in den Kategorien Volk, Rasse und Nation Für Menschenwürde ist kein Platz
"Wir füllen Ihr Hartz-IV-Formular aus. Wir helfen bei der Lehrstellensuche. Wir organisieren ein Kinderfest. Wir bieten Hausaufgabenhilfe an."
So hören sich Angebote der NPD an. Sie sind Teil einer neuen Strategie, die in Ostdeutschland als Erfolgsmodell der Rechtsextremen gilt und zunehmend auch in Niedersachsen umgesetzt wird.
"Die NPD etabliert hier eine Kultur des Sich-Kümmerns vor allem dort, wo sich der Staat zurückzieht. Dadurch entsteht bei einigen Menschen der Eindruck: So schlimm sind die doch gar nicht", sagt Reinhard Koch, Leiter der Arbeitsstelle Rechtsextremismus und Gewalt in Braunschweig.
Rechtsextremismus in Niedersachsen das ist für Koch keine Randerscheinung, sondern ein ernstes Problem: Die NPD als stärkste rechtsextreme Partei rekrutiert erfolgreich junge Mitglieder. Es gibt mehr als 20 Kameradschaften, mehrere Versand-Organisationen für Musik oder Kleidung. Bei Straftaten mit rechtsextremem Hintergrund liegt Niedersachsen bundesweit im Spitzenfeld.
Den Gegenpol zu Gewalt und Glatzkopf-Image bilden laut Koch scheinbare Biedermänner, wie der NPD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl im Januar, Andreas Molau aus dem Landkreis Wolfenbüttel.
"Das Bild vom prügelnden NPD-Funktionär ist natürlich falsch aber das sind die Brandstifter", sagt auch David Begrich von der Arbeitsstelle Rechtsextremismus in Magdeburg. In Sachsen-Anhalt ist die Zahl der Anhänger in NPD und Kameradschaften kaum gestiegen die rechte Szene trete aber deutlich koordinierter auf. "Die Erfolge der Rechtsextremen in Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern wecken bei ihnen die Hoffnung, das politische Schattendasein auch hier bald verlassen zu können." 13 Kreistagsmandate hat die Partei bei der letzten Kommunalwahl errungen.
Laut Begrich ist die Partei dort erfolgreich, wo die großen Volksparteien, die Kirchen und Vereine Lücken aufreißen dort, wo die Menschen verunsichert sind und Angst vor dem sozialen Abstieg haben. "Während andere Politiker von den Auswirkungen der Globalisierung und komplexen Finanzbeziehungen reden, sagt die NPD einfach: ?Wir sorgen dafür, dass Ihr zu Eurem Recht kommt. Ob sie dieses Versprechen einhält, ist eine andere Frage."
David Begrich warnt, dass hinter allen scheinbar fürsorglichen Angeboten der NPD nur ein Ziel stehe: die plurale Gesellschaft zugunsten der so genannten Volksgemeinschaft abzuschaffen. "Die Partei denkt in den Kategorien Volk, Rasse und Nation. Individualismus gibt es nicht, Menschenwürde hat auch keinen Platz. Zynisch gesagt: Wer nicht dazu passt, hat Pech gehabt und wird mit Sanktionen belegt."













