Gabriel zum Redner des Jahres gekürt
Experten: Immer weniger Politiker sind gute Redner
Eine vielbeachtete Rede vor der Weltklima-Konferenz auf Bali hat Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) verspätet großes Lob daheim eingetragen: Gestern wurde Gabriel in Berlin für seinen Kurz-Vortrag zum "Redner des Jahres 2007" gekürt.
"Seine Rede im Dezember hat gezeigt, dass man auch in sechs Minuten einem Weltpublikum ein kompliziertes Vorhaben verständlich erklären kann", lobte Peter Ditko von der Deutschen Rednerschule, die den Preis verleiht. Gabriel habe auf Englisch in knapp bemessener Zeit abstrakte und bildhafte Elemente gut gemischt, das Publikum einbezogen und präzise argumentiert.
Rhetorik-Experte: Brauchen Redner wie Gabriel
"Wir brauchen Redner wie Sie, die nicht um die Dinge herumreden", erklärte Ditko. Eine positive Botschaft des Experten, der Politiker und Wirtschaftsführer einen Steinwurf vom Reichstagsgebäude entfernt auf einem alten Spree-Schlepper in der Kunst der Rede schult. Es gebe jedoch immer weniger Politiker, die den Anforderungen gerecht würden. Die Qualität der politischen Rede nehme seit langem ab.
Franz-Josef Strauß, Willy Brandt, Rainer Barzel, Richard von Weizsäcker, später Joschka Fischer das seien noch großartige Redner gewesen, schwärmt Ditko im Gespräch mit unserer Zeitung. Und heute? Dem Fachmann fallen neben Gabriel nur noch Wolfgang Schäuble, Oskar Lafontaine und Gregor Gysi ein; alle haben sie schon einen Preis von ihm erhalten. Und die Kanzlerin? Ihre Reden seien zwar gut aufgebaut, doch eine große Rednerin sei sie nicht es fehle an Präsenz, sie begeistere nicht.
Damit steht Ditko nicht allein da. "Die große politische Rede kommt bald auf die Liste der aussterbenden Arten", sagt Ernst Elitz, Intendant des Deutschlandfunks. Michael Engelhard, der Reden für mehrere Bundespräsidenten schrieb, sagt: "Beim Papst höre ich zu aber bei den meisten Politikern weiß ich heute genau, was sie sagen werden."
Merkel-Berater: "Nicht die Zeit für große Rhetorik"
Auch im Bundestag wird die rückläufige Redekultur beklagt. Merkel-Berater Matthias Graf von Kielmannsegg, der als Stabsleiter im Kanzleramt an größeren Reden mitarbeitet, relativiert indes die Kritik: "Es ist nicht die Zeit für große Rhetorik. Eine große Rede würde im Augenblick nur Misstrauen produzieren." Die Kanzlerin übe sich bewusst in "gewisser Nüchternheit."
Gabriel selbst hat sich ein einfaches Rezept angeeignet: "Man muss etwas von der Sache verstehen, aber nicht zu gut denn man muss die Argumente noch in Alltagssprache übersetzen können." Das sei auch sein Trick auf der Klimakonferenz gewesen.











