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12. Februar 2012
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LEITARTIKEL: Josef F. ist kein Monster

Von Cornelia Steiner

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Die Gier ist groß. Die Gier nach noch mehr Bildern und Geschichten von Josef F. und seinen Opfern. Dabei ist längst alles in seinen widerwärtigen Details gezeigt und erzählt worden. Nur das Urteil steht noch aus.

Seit gestern muss sich der 73-jährige Österreicher vor Gericht verantworten. Er soll seine Tochter 24 Jahre lang im Keller gefangen gehalten und sie tausendfach vergewaltigt haben. Sieben Kinder kamen zur Welt, sechs überlebten. Teilweise hat der Angeklagte gestanden.

Viele verteufeln den Mann, eine Zeitung schreibt vom grässlichen Inzest-Monster. Doch Monster sind nicht von dieser Welt. Sie verkörpern das Böse, das unerwartet in unseren rosaroten Alltag einbricht.

Josef F. ist kein Monster. Er ist einer von nebenan. Er lebte sein Doppelleben unter den Augen der Familie, der Nachbarn, der Polizei. Daran zu erinnern, bedeutet nicht, seine Taten zu entschuldigen oder andere zu unmittelbaren Mit-Tätern zu machen. Es zu vergessen hieße jedoch, die Opfer zu verhöhnen.

Josef F. ist kein Monster, auch wenn die Dimension seiner Grausamkeit unfassbar ist. Ein Gutachten bescheinigt ihm volle Zurechnungsfähigkeit. Er war und ist süchtig nach Macht und Kontrolle.

Außerdem zeigt er sich überaus geschäftstüchtig. So soll er Medien seine Verhör-Protokolle angeboten haben. Mit einer britischen Nachrichtenagentur hat er ein Interview vereinbart, das nach dem Prozess im Gefängnis stattfinden wird. Das Geld aus dem Verkauf dieses Interviews sollen die Opfer erhalten, versichern die Journalisten. Scheinheiliger geht es nicht.

Josef F. ist kein Monster, und deswegen gelten für ihn wie für jeden anderen Angeklagten die Grundsätze des Rechtsstaats. Es ist gut, dass der Prozess weitgehend ohne Öffentlichkeit stattfindet. Noch besser ist, dass das Gericht schon in dieser Woche das Urteil verkünden will.

Die Gier nach Bildern und Geschichten aus dem österreichischen Amstetten muss danach für immer enden. Erst dann entkommen die Opfer ihrer Gefangenschaft. Vielleicht.

Dienstag, 17.03.2009
Quelle: http://www.newsclick.de/index.jsp/artid/10019585/menuid/472071