GASTKOMMENTAR: Kultur rüttelt uns auf
Zahlreiche kommunale Haushalte leiden unter den Folgen der Finanz-und Wirtschaftskrise. Die Steuersenkungen durch das Wachstumsbeschleunigungsgesetz werden die Haushaltskassen zusätzlich belasten.
Als erstes kürzen die Kommunen bei den freiwilligen Leistungen. Davon betroffen sind unter anderem Theater, Bibliotheken, die freie Kulturszene und Projekte für kulturelle Bildung. Die Auswirkungen sind dramatisch. Keine Bücherbusse mehr in ländlichen Gebieten, ein geschlossenes Theater oder ein Kulturzentrum weniger bedeuten einen Verlust an Information, Bildung und Unterhaltung. Vor allem kinderreiche Familien und Geringverdienende sind die Leidtragenden, wenn Beiträge für städtische Musikschulen, Volkshochschulen oder Eintrittspreise für Theater und Konzerte erhöht werden.
Kultur beansprucht nur etwa ein Prozent der öffentlichen Haushaltsmittel. Mit Einsparungen bei der Kultur lässt sich kein Haushalt sanieren. Der ideelle und strukturelle Schaden durch massive Kürzungen im kulturellen Bereich ist größer als die gewonnene Einsparung.
Es ist von nationaler Bedeutung, unser kulturelles Erbe ebenso wie Orte der Fantasie und Kreativität für nachfolgende Generationen zu bewahren. Deshalb hat auch der Bund die Aufgabe, finanzielle Unterstützung anzubieten, solange die Selbstverwaltung einigen Ländern und Kommunen nicht mehr möglich ist.
Als Überbrückungsmaßnahme haben Bündnis 90/Die Grünen die Bundesregierung per Eilantrag aufgefordert, die Einrichtung eines KFW-Sonderprogrammes "Kulturfinanzierung" zu prüfen. Zusätzlich wird ein zeitlich befristeter "Nothilfefonds Kultur" des Bundes erforderlich sein, um den Substanzerhalt kultureller Infrastruktur zu gewährleisten.
Der politische Wille konnte Banken retten – für den Erhalt unserer kulturellen Vielfalt wäre nur ein Bruchteil dieser Mittel nötig. Die Schließung eines Stadttheaters und fehlende kulturelle Events beeinträchtigen die Attraktivität der Städte und Kommunen als Wirtschaftsstandort. Und auch die Lebensqualität vieler Menschen: Für ein zufriedenes Leben und ganzheitlichen Wohlstand sind nicht nur die Werte ausschlaggebend, welche sich in Zahlen und Statistiken messen lassen.
Was Politik und Gesellschaft für die Kultur tun können, ist untrennbar mit einem Bewusstsein dafür verbunden, was Kultur nachhaltig für uns tut: Sie rüttelt uns auf aus festgefahrenen Denkstrukturen und bereichert unsere emotionale Erlebniswelt. Kultur befriedigt das Bedürfnis des Menschen, dass nicht ein Tag ist wie der andere.













