BZV
newsclick
Suchen
14. Februar 2012
2-Tage-Vorschau

BERLINER NOTIZEN: Merkels mächtigste Frau

Von Dietrich Eickmeyer

Wer in den letzten zwölf Jahren wissen wollte, wie Angela Merkel denkt, war bei Eva Christiansen an der richtigen Adresse. Seit einer Woche dürfte die 40-jährige endgültig die mächtigste Vertraute der Kanzlerin sein. Mächtiger auch als der formale Chef des Kanzleramts, Ronald Pofalla. Denn Eva Christiansen, bislang in der Regierungszentrale als Medienberaterin geführt – eine Halbtagsstelle, die der jungen Mutter von Tochter Sophie Leonor 2007 eigens eingerichtet wurde – erklärt nicht nur die Politik Merkels, sie macht sie auch seit den ersten gemeinsamen Tagen im Adenauer-Haus.

Christiansen, damals Sprecherin der CDU-Generalsekretärin Angela Merkel und seitdem immer in ihrer Nähe, leitet nun auch ganz offiziell das wichtige Planungsreferat des Kanzleramts anstelle von Matthias Graf von Kielmansegg. Dem Referat "Politische Planung, Grundsatzfragen, Sonderaufgaben" und damit Christiansen unterstellt sind unter anderem Merkels Redenschreiber. Sie bestimmt damit die komplette Außenwirkung der Kanzlerin, sagt, wie das Licht im Fernsehstudio zu sein hat, bestimmt, welchen Medien wann Interviews mit der Kanzlerin gewährt werden. Sie gibt vor, in welchem Stil Merkels Reden zu welchen Themen zu schreiben sind, und sie berät die Kanzlerin auch, wenn es um die Garderobe bei wichtigen politischen und gesellschaftlichen Ereignissen geht. Während Regierungssprecher Ulrich Wilhelm die Stimme Merkels im politischen Alltagsgeschäft ist, ist Christiansen für den Gesamtauftritt der Kanzlerin zuständig. Eine Erklärung für den Aufstieg der gebürtigen Rheinländerin könnte der schlechte Zustand der schwarz-gelben Koalition sein. Bestritten wird jedenfalls im Kanzleramt nicht, dass der Wechsel inhaltliche Änderungen bringen soll. Ob Angela Merkel künftig auch nach außen stärkere Führungsqualitäten zeigen wird als bisher? "Warten auf Merkel" titelte gerade das US-Magazin "Newsweek" mit Blick auf die vakante Führungsrolle in der weltweit anhaltenden Finanz- und Wirtschaftskrise.

Freitag, 12.03.2010
Quelle: http://www.newsclick.de/index.jsp/artid/11903883/menuid/472071