KOMMENTAR: Der Schleudersitz
Déjà vu beim rosa Riesen: Der Aufsichtsrat drückt wieder den Schleudersitz-Knopf am Chefsessel der Telekom – ein wackeliges Möbelstück, wie schon Ex-Vorstandsvorsitzender Ron Sommer erfuhr. Diesmal muss Kai-Uwe Ricke dran glauben. Ironie der Geschichte: Nachfolger soll auch diesmal ein bis dato loyaler Chef der Mobilfunksparte werden. Heute heißt er René Obermann – als Sommer flog, hieß er Ricke.
Vier Jahre später hat Senkrechtstarter Ricke zwar ordentlich Schulden abgebaut und ein gutes Geschäfte in den USA vorzuweisen. In Deutschland aber will die Kasse nicht klingeln. Da hilft es auch nichts, dass Ricke hier allzeit wild mit der Job-Sense fuchtelt. Außerdem dümpelt der Börsenkurs der einst vielversprechenden Volksaktie noch immer unter Ausgabekurs. Damit hat es sich Ricke sowohl bei den Aktionären als auch bei den Arbeitnehmern verscherzt.
Gescheitert ist der Telekom-Chef am Ende aber bei den Kunden. Jeden Monat kündigen mehr als 150 000 Menschen in Deutschland ihre Festnetzanschlüsse bei der Telekom, weil die Konkurrenz im zusammenwachsenden Markt des Internets, des Telefonierens und der Unterhaltung offenbar besser, billiger und vor allem schneller ist. Keine leichte Aufgabe für den neuen Anwärter auf den Schleudersitz.













