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09. Februar 2012
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LEITARTIKEL: Gesamtschule als Gimmick

Von Uwe Hildebrandt

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Niedersachsens CDU hat ihr Wort nicht gebrochen. Der Vorwurf der Sozialdemokraten ist falsch. Die Union hatte vor der Landtagswahl im Januar zwar angekündigt, das Gesamtschul-Verbot aufzuheben – doch sie ließ die Wähler im Unklaren, in welchem Umfang Neugründungen möglich sind.

Nun ist das eingetreten, was zu erwarten war: Menschen sind enttäuscht, weil sie viele neue Gesamtschulen erhofft hatten. Tausende Schüler, die in der Warteschlange stehen, warten weiter. Die CDU, die Gesamtschulen lange als Weich-Ei-Gymnasien verteufelte, tut sich mit dem Aufbruch zu neuen Ufern schwer.

Nach den schulpolitischen Schnellschüssen der Vergangenheit ist es eigentlich lobenswert, dass die neue Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann die Gesetzesänderung sorgfältig plant. Gute Konzepte brauchen ihre Zeit. Und doch ist da dieser bittere Beigeschmack, der die deutsche Schulpolitik seit der viel diskutierten Pisa-Studie durchzieht: Mit der klaren Ansage, am dreigliedrigen Schulsystem mit Haupt- und Realschule sowie Gymnasium festzuhalten, hat sich Heister-Neumann schon zu Beginn den Weg zu einer echten Reform verbaut. Neue Gesamtschulen gibt es erst irgendwann und sie sind dann nur ein Gimmick, wie Yps-Leser sagen würden – eine lustige Beigabe.

Was ist los im Bildungsland Deutschland? Alle Parteien fordern die große Bildungsoffensive. Laut Pisa würde das heißen: Statt bereits Zehnjährige auseinander zu reißen, sollte die Differenzierung lieber in einzelnen Schulfächern erfolgen – an gemeinsamen Schulen mit einem Kurssystem. Es muss viel mehr Ganztagsschulen und Lehrkräfte geben, um nachmittags gezielt fördern zu können. Lehrpläne müssen entrümpelt, und Lehrformen praxisorientierter werden.

All das kostet viel Geld, aber bei einer echten Bildungsoffensive dürfte nicht das Portemonnaie klemmen. Schließlich lebt Deutschland im Wesentlichen von seinem Wissensschatz. Manfred Spitzer, Forscher und Kolumnist unserer Zeitung, sagt treffend: "Sonst nähen wir bald die T-Shirts für China."

Freitag, 11.04.2008
Quelle: http://www.newsclick.de/index.jsp/artid/8276907/menuid/472071