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13. Februar 2012
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"Die Atomindustrie hat gelogen"

WOLFENBÜTTEL Umweltminister Gabriel sieht Beweise, dass Asse nie als Forschungsbergwerk vorgesehen war

Von Christian Kerl

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) wirft der Atomwirtschaft vor, die Öffentlichkeit jahrzehntelang über das marode Atommülllager Asse belogen zu haben.

Gabriel fordert von den Atomkraftwerksbetreibern eine öffentliche Entschuldigung sowie die Übernahme der Sanierungskosten.

Unserer Zeitung sagte er gestern: "Wir haben in Akten den Beweis dafür gefunden, dass die Behauptung, Asse sei ein Forschungsbergwerk gewesen, erstunken und erlogen war. Sie war von Anfang als Endlager vorgesehen. Die Atomwirtschaft hat Asse benutzt, um sogar noch Kosten für die Zwischenlager zu sparen. Man hat einfach den Atommüll hineingekippt und sich noch erdreistet zu fordern, dass die Kosten möglichst niedrig bleiben sollen."

Gabriel verwies auf einen Briefwechsel von November und Dezember 1969 zwischen dem Unternehmen AEG und dem damaligen Asse-Betreiber, der Gesellschaft für Strahlenforschung. Darin ist ausdrücklich von der Endlagerung radioaktiver Abfälle die Rede. Der Betreiber stellte in Aussicht, dass die Lagerkapazität "bis zum Jahr 2000" reichen würde. Gabriel sagte, die Betreiber hätten der Atomwirtschaft sogar schriftlich bestätigt, "dass der künftige Preis für die Einlagerung radioaktiver Abfallstoffe nicht streng nach üblichen kaufmännischen Grundsätzen errechnet wird". Die Akten habe das Umweltministerium nur auf massiven Druck und nach langer Verzögerung erhalten.

   Gabriel: "Die Behauptung heute, Asse sei ein Forschungsbergwerk gewesen, ist eine dreiste, fette Lüge." Es sei jetzt eindeutig klar, dass die Verantwortung für die katastrophalen Zustände in der Asse bei der Atomwirtschaft und dem früheren Betreiber, der Gesellschaft für Strahlenforschung, liege. Der Minister sagte: "Da hat eine dreiste Bande agiert. Ich kann die Atomwirtschaft nur auffordern, sich endlich zu ihrer Verantwortung zu bekennen."

Dies solle sie schon bei dem Kongress des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft kommende Woche tun. "Und die Atomkraftwerksbetreiber müssen die Finanzierung der Sanierung übernehmen, noch bevor der Gesetzgeber aktiv wird." Gabriel forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf, die Atomwirtschaft öffentlich für die Kostenübernahme in die Pflicht zu nehmen, wenn sie nächsten Mittwoch auf dem Energiekongress spricht.

Für die Atommüll-Einlagerung in der Asse zwischen 1967 und 1975 seien keine Gebühren verlangt worden, bis zum Ende der Einlagerung 1978 seien dann 900 000 D-Mark erhoben worden. Die Sanierung werde mehrere Milliarden Euro kosten.

Samstag, 20.06.2009
Quelle: http://www.newsclick.de/index.jsp/artid/10514243/menuid/7534512
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