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13. Februar 2012
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"Ein kleiner Kreis wusste um Schwachstellen, hielt aber Kurs"

Zehn Gründe, warum aus dem früheren Salzschacht Asse II Deutschlands größter Umweltskandal wurde


Der Historiker Detlev Möller fasst im Gespräch mit unserer Zeitung in zehn Punkten die Gründe für das Asse-Desaster zusammen:

1. Der zuständige Arbeitskreis der Deutschen Atomkommission empfahl dem Bundesministerium für wissenschaftliche Forschung im Oktober 1963, darauf zu achten, dass im Fall des Bergwerks Asse nicht eine günstige Möglichkeit versäumt wird. Das Ministerium wurde aufgefordert, Verhandlungen mit der Betreibergesellschaft aufzunehmen.

2. Im zweiten Halbjahr 1963 wurde die AVR-Problematik (Arbeitsgemeinschaft Versuchsreaktor) akut. Es ging um die Frage der Zwischenlagerung der kugelförmigen Brennelemente des Jülicher Reaktors. Mit Asse II bot sich die Möglichkeit, diese kostengünstig unterzubringen.

3. Die Zwischenlager der Bundesländer waren aus Kostengründen nur für den Bedarf weniger Jahre ausgelegt worden. Bereits 1965 waren die Hallen im Kernforschungszentrum Karlsruhe annähernd gefüllt. Nach dem Kauf der Asse im März 1965 wuchs der Druck, in das Bergwerk einzulagern, anstatt Millionenbeträge für neue Hallen auszugeben.

4.Der zuständige Unterabteilungsleiter im Bundesministerium für wissenschaftliche Forschung stand der Eignung von Asse II bis Ende 1967 sehr skeptisch gegenüber. Er sah den Nachweis der Standsicherheit der Grube als wesentliche Voraussetzung für eine längerfristige Nutzung. Mit dem Wechsel seines Vorgesetzten geriet er bereits ab Mitte 1965 mehr und mehr unter Druck, und schließlich wurde ihm 1968 die Zuständigkeit für die Asse entzogen. Unter dem neuen Unterabteilungsleiter wurde der Entschluss gefasst, das Bergwerk so wirtschaftlich als möglich zu nutzen.

5. Obwohl man schon 1967 davon ausging, Asse II werde im Lauf von Jahrhunderten voll Wasser laufen, entschied man sich für die Einlagerung der uran- und plutoniumhaltigen Abfälle aus der Wiederaufarbeitungsanlage in Karlsruhe.

6. Erst 1971 wurden Fixierungsmaterialien für die Abfälle vorgeschrieben. Die Anforderungen lagen sehr niedrig. Es ging bis Ende 1975 lediglich um eine Fixierungsdauer von Wochen und Monaten.

7. Asse II wurde ab 1970 zunehmend als im Sinne des Umweltschutzes vorbildliche Anlage präsentiert. Um die seit den 1960er Jahren thematisierten Schwachstellen wusste nur noch ein sehr kleiner Personenkreis, der Kurs hielt.

8. Ab 1971 griff man zur Lagerung industriellen Sondermülls ebenfalls auf stillgelegte Salzbergwerke zurück. Die Wahlmöglichkeiten für ein zweites, alternatives Endlager engten sich damit erheblich ein.

9. Wegen der sehr kritischen Reaktion der Öffentlichkeit schien die Möglichkeit, einen weiteren – akzeptierten – Endlagerstandort finden zu können, ab 1976 nahezu aussichtslos.

10. Schon im Februar 1977 wurde angesichts deutlicher Wanderungsbewegungen von Pfeilern darüber diskutiert, ein vom Bergamt gefordertes Verfüllungskonzept schnellstmöglich zur Betriebsplanreife zu entwickeln. Spätestens im Februar 1979 gehörte die Verfüllung der Südflanke zu den geplanten Schwerpunktvorhaben für die langfristige Standsicherheit des Grubengebäudes. Mit der Verfüllung wurde jedoch erst 1995 begonnen.

Montag, 20.07.2009
Quelle: http://www.newsclick.de/index.jsp/artid/10661955/menuid/7534512
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