Dreimal so viel Plutonium in der Asse wie angegeben
Arbeitsgruppe entdeckt "Übertragungsfehler"
WOLFENBÜTTEL. Laut Helmholtz-Zentrum München liegt weit mehr Plutonium in der Asse als bislang offiziell angegeben. Grund soll ein "Übertragungsfehler" sein.
"Die erneute Überprüfung hat nunmehr ergeben, dass die ursprünglich veranschlagte Menge Plutonium (28 kg) doch zutreffend ist", heißt es in einem Schreiben einer Projektgruppe des Helmholtz-Zentrums München an den Präsidenten des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS), Wolfram König.
Grund sei ein "Übertragungsfehler" bei der "Neudeklaration" der in der Asse eingelagerten Abfälle zwischen einer Abteilung des Forschungszentrums Karlsruhe und der Gesellschaft für Strahlenforschung (GSF). Das ergaben Recherchen einer Arbeitsgruppe des Bundesforschungsministeriums. Darin ist auch der frühere Asse-Betreiber, das Helmholtz-Zentrum München, vertreten. Im "Statusbericht" des Landes zur Asse ist von 9,6 Kilogramm Plutonium bei den leichtaktiven Abfällen die Rede. Bereits im Asse-Ausschuss des Landtags hatte ein Zeuge von bis zu 25 Kilogramm Plutonium gesprochen. Die Landesregierung hatte erklärt, ihre deutlich niedrigere Zahl sei aufgrund von Nachberechnungen "nachvollziehbar und plausibel."
"Das zeigt noch einmal, wie schlecht der Kenntnisstand des früheren Betreibers gewesen ist", sagte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) unserer Zeitung. "Ich schließe nicht aus, dass es weitere Korrekturen geben wird", so Gabriel. Nach Einschätzung des Ministeriums bedeutet die höhere Plutoniummenge keine "akute Risikoerhöhung", hat aber Auswirkungen auf die Langzeitsicherheitsanforderung.
In einem Schreiben an Landtagspräsident Hermann Dinkla (CDU) hat BfS-Präsident König Kritik am Zustand von Asse-Akten des Helmholtz-Zentrums geübt.
"Es gibt weder eine chronologische noch eine inhaltliche Systematik", heißt es in der BfS-Bewertung. Zahlreiche Unterlagen fehlten, so allein 183 Ordner der Finanzabteilung. Diese beträfen laut Helmholtz unter anderem laufende Verträge. Es fehlten unter anderem auch Inventarberichte und Schriftwechsel, insbesondere aus den Jahren 2007 und 2008. "Enthalten die Unterlagen Hinweise auf möglicherweise nicht in den Inventarberichten 2002 und 2004 erfasstes Inventar?", so König.
Der BfS-Präsident fragt auch nach Unterlagen zu Unfällen bei Ein- und Umlagerung, Dekontamination und dem Verstoß gegen Annahmebedingungen bei der Anlieferung von Atommüll. Der Landtag hatte für den Untersuchungsausschuss Asse-Akten im Bestand des Bundesamtes angefordert. Sie werden in Kopie zur Verfügung gestellt.













