Der lange Abschied
Sigmar Gabriel übergab beim SPD-Bezirksparteitag die Führung nahtlos an Hubertus Heil
"SPD-Bezirk Braunschweig – stark in Niedersachsen" – das Motto auf dem Transparent gilt auch für den Neuen: Seit gestern führt Hubertus Heil die SPD in der Region. Doch im Mittelpunkt stand noch einmal Parteichef Sigmar Gabriel.
Supermann trug dunklen Anzug und rote Krawatte. Frenetisch bejubelten die Delegierten des SPD-Bezirks zum Auftakt des Sonderparteitags ihren Noch-Bezirksvorsitzenden und neuen Bundesvorsitzenden Sigmar Gabriel.
Bereits seit längerem war klar, dass Gabriel als SPD-Chef den Bezirksvorsitz an Heil abgeben würde. "Sigmar hat doch schon als Bundesumweltminister gar nicht mehr genug Zeit gehabt", so ein SPD-Unterbezirksvorsitzender. Hätte Heil abgewunken, wäre wohl der Gifhorner Landtagsabgeordnete Detlef Tanke zum Zug gekommen.
"Wir haben keinen Grund, in Sack und Asche zu gehen", strich Gabriel das SPD-Bundestagswahlergebnis in der Region mit drei von vier direkt gewonnenen Wahlkreisen heraus. Auch bundesweit werde die SPD wieder Wahlen gewinnen. Allein in der Region gebe es seit der Wahl rund 140 Neueintritte.
"Man darf keine Angst haben, die eigene Mitgliedschaft zu wichtigen Dingen zu fragen", erinnerte Gabriel an die Mitgliederbefragung im SPD-Bezirk Braunschweig zur Wehrpflicht. Im Streit um die Auflösung der SPD-Bezirke in Niedersachsen hatte Gabriel als Bollwerk gewirkt. Gestern warnte er den SPD-Landesvorstand um Landesparteichef Garrelt Duin noch einmal vor Schnellschüssen und Zentralisierung.
In Nordrhein-Westfalen werde eher diskutiert, die Bezirke wieder einzuführen, berichtete Gabriel von seiner Rundreise mit Generalsekretärin Andrea Nahles. Parteiintern wird allerdings offenbar bereits ein Zusammenschluss der Bezirke Hannover, Weser-Ems und Nord-Niedersachsen diskutiert. Braunschweig stände dann alleine da.
"Ich will ja zugeben, dass das manchmal nicht einfach war mit mir", verabschiedete sich Gabriel als Bezirkschef. Jeder SPD-Unterbezirk trat zur Geschenkübergabe an: von Sole aus Salzgitter bis zu einem – sogar laut beklatschten – VfL Wolfsburg-Schal. Auch SPD-Landtagsfraktionschef Wolfgang Jüttner war zum Stabwechsel gekommen, Duin hatte kurzfristig abgesagt.
Dass er in große Fußstapfen tritt, weiß Heil. "Sigmar hat mich manchmal überrollt", witzelte Heil. Zum stellvertretenden Bezirksvorsitzenden war Heil einst ebenfalls in der Stadthalle gewählt worden, mit Gabriel hat er über Jahre Hand in Hand gearbeitet. "Wir sollten uns kein personelles Gerangel leisten", forderte Heil ein Ende der Streitigkeiten in der Landes-SPD.
Welche Rolle Heil selbst spielen wird, ist offen: Er gilt manchen gar als ein möglicher SPD-Spitzenkandidat bei der Landtagswahl 2013. In der Stadthalle redete sich Heil zunehmend in Stimmung – und klang dann manchmal fast wie sein Vorgänger.













